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Das Weiße Band

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VHS Filmforum Borken: Das weiße BandEine deutsche Kindergeschichte. Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands. 1913/14. Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte des vom Dorflehrer (Christian Friedel) geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr (Ulrich Tukur), Pfarrer (Burghart Klaußner), Gutsverwalter (Josef Bierbichler), Hebamme (Susanne Lothar), Arzt (Rainer Bock), Bauern - ein Querschnitt eben.
Immer wieder beschäftigt sich der österreichische Regisseur Michael Haneke in seinen Filmen mit den Wurzeln von Gewalt, so auch in seinem neuen Film "Das weiße Band", der auf dem Festival in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Ende August 2009 wurde "Das weiße Band" zudem als deutscher Kandidat für die Teilnahme am Rennen um einen "Auslands-Oscar" nominiert.
Autoritäre Familien- und Gesellschaftsstrukturen als Ursache für Faschismus und Terror sind nach Ansicht der Regisseurs Michael Haneke "nicht nur ein deutsches Problem". In seinem Film "Das weiße Band" geht er genau jenen Strukturen in einem norddeutschen Dorf vor Beginn des Ersten Weltkriegs auf den Grund.
Haneke gibt keine Antwort darauf, wer konkret für die gemeinen Taten in seinem Film verantwortlich ist. "Das ist mein Prinzip", erklärte er in Cannes zur fehlenden Auflösung. Es sei die Aufgabe von Kunst, Fragen zu stellen. Danach sei der Betrachter dran: "Ein Film ist wie eine Sprungschanze", meinte Haneke. "Springen muss der Zuschauer selbst." Der Film ist ein bis ins Heute weisendes Erziehungsdrama. Aus Demütigen werden Gedemütigte. Der älteste Sohn des Pfarrers bekommt die ganze fürsorgliche Wucht der Machtverhältnisse zu spüren. Der Pfarrer hat seinen Sohn beim Masturbieren ertappt und drängt ihn nun zu einem Schuldeingeständnis. Was passiert in rigoros hierarchischen Verhältnissen mit den Schutzbefohlenen? Haneke zeigt, wie im Geflecht aus Gehorsam und verabsolutiertem Glauben, eine plötzliche Aggression aufbricht. Der Arzt wird vom Pferd gestoßen, der Sohn des Gutsherren misshandelt und eine Scheune in Brand gesteckt: ein Gefühlsausbruch terroristischer Natur.
Michael Haneke macht keine schönen, gefälligen Filme. "Es geht mir darum, zu zeigen: Wie wird man für Ideologien konditioniert? Immer dort, wo ein großes Unbehagen herrscht oder Angst."
Haneke hat ein beeindruckendes Lehrstück geschaffen über den Zusammenhang von Erziehung und Macht, Gehorsam und Gewalt. Ein Jahr noch und die fröhlich Feiernden werden für Kaiser, Gott und Vaterland in den Krieg ziehen.
Fazit: Hanekes Figuren sind allesamt gequälte Seelen. Sie sind Täter und Opfer. Das weiße Band zeigt grausame Misshandlungen die in einem Dorf passieren. Lichtjahre entfernt, was wir uns heute unter Erziehung vorstellen, bekommen wir einen Einblick in die Erziehungsmethoden eines Pastors. Die Redakteure Vera, Ansgar, Thomas und Bea haben den Film bereits gesehen. Selten war sich die Redaktion so einig. Schockierend und auswegloses. Der Film des österreichischen Enfant terrible Haneke ist ein Meisterstück und hat einen Oscar verdient. Eine mit ungeheure Präzision ausbalancierten Inszenierung!
Mit insgesamt drei Auszeichnungen ist die BR-Koproduktion "Das weiße Band" der große Sieger beim Europäischen Filmpreis 2009. "Das weiße Band" wurde zum "besten Film" gekürt, außerdem erhielt Michael Haneke je einen Filmpreis für das beste Drehbuch und als bester Regisseur. Der Europäische Filmpreis wurde am 12. Dezember 2009 in Bochum verliehen. Im Frühjahr 2009 hatte "Das weiße Band" bereits die Goldene Palme beim Filmfestival von Cannes gewonnen.
"Das weiße Band" ist nominiert für einen Golden Globe in der Kategorie "bester nicht-englischsprachiger Film". Die BR-Koproduktion wurde dafür von der Hollywood Foreign Press Association ausgewählt. Sie vergibt jährlich die Auszeichnung für besondere Leistungen im Bereich Kino und Fernsehen. Die Verleihung der 67. Golden Globes findet am 17. Januar 2010 in Los Angeles statt.
Mit "Das weiße Band" bewirbt sich Deutschland außerdem um die Oscar-Nominierung für den besten ausländischen Film. In der Oscar-Vorentscheidung setzte sich Hanekes Arbeit unter anderem gegen "John Rabe" durch. Ob der Film tatsächlich für den Oscar als bester fremdsprachiger Beitrag nominiert wird, entscheidet sich Anfang Februar 2010.
VHS Filmforum Borken: "Das Weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte"
Kino Center Borken
Dienstag, 19. Januar 2010 - 20.30 Uhr
Eintritt: 3,50 Euro
Kartenvorbestellung unter 02861-9029922 (ab 15 Uhr)
Deutschland / Österreich / Frankreich / Italien 2009
Regie: Michael Haneke
Mit: Christian Friedel, Leonie Benesch, Ulrich Tukur, Ursina Lardi, Burghart Klaußner - Prädikat: besonders wertvoll
FSK: ab 12
Länge: 144 min.
Start: 15.10.2009
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