Aurich. Der Aufruf zur Lynchjustiz nach dem Mord an der elfjährigen Lena in Emden hat ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft Aurich erhob am Donnerstag Anklage gegen einen 18-jährigen Emder.
Ihm werde vorgeworfen, am 27. März auf seinem Profil im sozialen Netzwerk Facebook zur Erstürmung des Polizeikommissariats in Emden und zum Lynchmord aufgerufen zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann (CDU) bezeichnete die Anklageerhebung als "richtig und konsequent".
Zum Zeitpunkt des Aufrufs auf Facebook befand sich ein 17-jähriger Verdächtiger in Polizeigewahrsam, dessen Unschuld später bewiesen wurde. Vor dem Polizeikommissariat versammelte sich eine aufgebrachte Menge von rund 50 Personen, die seine Herausgabe verlangte. Zu Übergriffen kam es nach Angaben der Staatsanwaltschaft dabei nicht.
Mit der Anklage werde der Ernst des Vorgangs hervorgehoben, sagte Busemann. Die Aufforderung zu Straftaten sei schließlich kein Kinderspiel. Der Fall werde hoffentlich "allen eine Lehre sein, die allzu leichtfertig mit dem Medium Internet umgehen, ohne sich Gedanken über die Folgen ihres Tuns zu machen", sagte er.
Ein Termin für die Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht in Emden steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch nicht fest.
Die elfjährige Lena war Ende März in Emden tot in einem Parkhaus gefunden worden. Sie wurde Opfer einer Sexualstraftat. Nach der Festnahme eines Unschuldigen ermittelte die Polizei schließlich den 18-jährigen mutmaßlichen Täter. Er hat die Tötung gestanden.
DAP