Peking. Der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng hat den USA schwere Vorwürfe gemacht. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN sagte er, man habe ihn gedrängt, die US-Botschaft in Peking zu verlassen. Die versprochene Unterstützung sei ausgeblieben. Chen äußerte den Wunsch, in die USA auszureisen.
Er lässt zurzeit in einem Krankenhaus die Fußverletzungen behandeln, die er sich bei der Flucht aus dem Hausarrest in der vergangenen Woche zugezogen hatte. Seine Frau sei stundenlang verhört worden und es gebe Drohungen gegen Angehörige. An die US-Regierung appellierte Chen, alles zu tun, damit er und seine Familie China verlassen könnten.
Vor anderthalb Wochen war es ihm gelungen, aus dem Hausarrest in die amerikanische Botschaft zu fliehen. Die US-Botschaft hatte ihn nach seiner Flucht aufgenommen. Das belastete aber zunehmend die Beziehungen zwischen den USA und China. Die beiden Regierungen erklärten aber, keinen Druck auf Chen ausgeübt zu haben, damit er die Botschaft verlässt. Am Mittwoch hatte er das Botschaftsgebäude unter noch nicht geklärten Bedingungen verlassen. China warf den USA vor, sich in innere Angelegenheiten einzumischen.
Nach Informationen der dpa ist Chen Guangcheng in einem speziellen Gebäude des Krankenhauses für hohe Funktionäre untergebracht und wird abgeschirmt. Chen ist einer von zahlreichen autodidaktischen "Rechtsanwälten", die sich in China in Menschenrechtsfragen engagieren und Betroffene beraten. Er zog vor allem mit Kritik an der rigiden Ein-Kind-Politik den Zorn Pekings auf sich, nachdem er zahlreiche erzwungene späte Abtreibungen und Sterilisierungen von Frauen in seiner Provinz Shandong aufgedeckt hatte.
Tho