Um ihre wissenschaftliche Arbeit zu finanzieren, arbeitet die gewissenhafte Camille Lalande als Fremdenführerin. Bei einer Führung trifft sie zufällig Nicolas, den Ex-Geliebten ihrer älteren Schwester Odile, der nach Paris zurückgekehrt ist. Nicolas ist allem Anschein nach ein wohlhabender Geschäftsmann. Er sucht eine Wohnung, damit seine Frau Jane und die Kinder nachkommen können. Camille erzählt ihrer Schwester von der Begegnung. Die temperamentvolle Odile, die sich mit ihrem Mann Claude nur noch langweilt, lädt Nicolas spontan zu sich nach Hause ein. Rasch nehmen die beiden ihre alte Vertrautheit wieder auf. Der scheue Claude registriert das mit wachsendem Missvergnügen, obwohl er selbst daran gedacht hat, Odile zu verlassen. Odile lässt sich in ihrem Tatendrang nicht bremsen. Resolut macht sie sich auf die Suche nach einer neuen Wohnung und spannt dafür den smarten Makler Marc ein. Damit wird sie ungewollt zur Kupplerin, denn bei einem Besichtigungstermin verliebt sich ihre Schwester Camille in Marc. Camille ist es aber auch nicht unangenehm, wenn sie bei ihren Führungen immer wieder von dem etwas linkischen Charmeur Simon angesprochen wird, der sich als Hörspielautor ausgibt. Umso größer ist ihre Verblüffung, als sie herausfindet, dass Simon in Wirklichkeit ein kleiner Angestellter in Marcs Immobilienagentur ist. Doch auch Odiles Freund Nicolas führt ein Doppelleben. Er ist in Wirklichkeit arbeitslos. Durch eine Reihe weiterer Missverständnisse, charmanter Lügen und heimlicher Affären beginnt ein Liebesreigen, der seinen Höhepunkt bei der Einweihungsparty von Odiles neuer Wohnung erreicht. Die Gäste erleben zwischen Cocktail und Couch einige tragikomische Begegnungen, wobei sie ihr wahres Gesicht mehr oder weniger freiwillig offenbaren.
Zusatzinfo
"Das Leben ist ein Chanson" von "Nouvelle vague"-Star Alain Resnais ist eine virtuose Gesellschaftskomödie über die kleinen und großen Dramen des Lebens. Ihr so verblüffendes wie amüsantes Stilmittel besteht darin, den Akteuren populäre Chansons der 30er bis 60er Jahre in den Mund zu legen. Der Gesang stammt jedoch von den Original-Interpreten und die Schauspieler bewegen nur ihre Lippen dazu. Die Liedtexte sind genau auf die jeweilige Situation abgestimmt, das Geschlecht des Sängers ist dabei weniger ausschlaggebend, und so kommt es auch vor, dass ein männlicher Darsteller mit einer Frauenstimme singt und umgekehrt. "Das von einem spielfreudigen Ensemble getragene 'Experiment' wird so zu einem amüsanten Exkurs über die zu Lebensweisheiten erhobenen Binsenwahrheiten von Schlagertexten," so der "film-dienst".
Resnais inszeniert die Verwicklungen von Liebe, Sehnsucht und Alltagsfrust mit liebevoller Geste und gibt den scheinbar festgefahrenen Lebenssituationen eine augenzwinkernde Leichtigkeit und Wärme, die an Woody Allens Komödien erinnern. Die Playback-Musik wurde von Dennis Potters britischer Kultserie "Lipstick on Your Collar" inspiriert. "Es ist ja tatsächlich so, dass Schlager uns ein Leben lang bei allem, was wir tun begleiten", sagt Resnais, "wären wir nicht so verklemmt, würden wir vermutlich Schlagertexte in unsere Unterhaltung einbauen." Der Film besticht durch witzige Dialoge und durchweg grandiose Darsteller. Er wurde mit sieben "Césars" ausgezeichnet. Einen davon erhielt das Drehbuchgespann Agnès Jaouis und Jean-Pierre Bacri - die beide auch mitspielen. Jaouis und Bacri zeichnen auch für die Drehbuchadaption eines Theaterstücks von Alan Ayckbourn für Resnais' Filme "Smoking/No Smoking" (1993) verantwortlich und für die Drehbücher zu "Lust auf anderes" (2000, Regie: Agnès Jaoui) und "Comme une image" (2004, Regie: Agnès Jaoui), in denen beide auch Hauptrollen übernahmen. Das Multitalent Agnès Jaoui - Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin - erhielt in diesem Jahr zusammen mit ihrem Lebensgefährten Jean-Pierre Bacri in Cannes den Drehbuchpreis für "Comme une image", ihr Film war zudem für eine Goldene Palme nominiert.
Montag, 15.11.2004 um 20:45
Das Leben ist ein Chanson
Im November widmet ARTE dem französischen Regisseur Alain Resnais eine Spielfilmreihe. Es folgen die Filme "Hiroshima, mon amour" am 18. November um 22.15 Uhr sowie "Providence" am 25. November um 20.45 Uhr.
Tho