Köln, Hamburg. Als im Jahr 1989 in ganz Osteuropa die Macht der kommunistischen Parteien zu bröckeln begann, brachen auch für die angegrauten und teils auch schon greisen Herren des SED-Politbüros die letzten Monate ihrer Herrschaft an.
Unaufhaltsam wächst der Protest gegen einen undemokratischen Sozialismus, immer mehr Menschen kehren dem Arbeiter-und-Bauern-Staat den Rücken. Die greisen Männer im Politbüro des Zentralkomitees der SED verstehen diese Signale nicht. Erich Honecker weigert sich, einen Kurswechsel zu vollziehen. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", ermahnt ihn der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow.
Erstmals stellt sich die heute 84-Jährige Margot Honecker, einst mächtigste Frau der DDR, Volksbildungsministerin und Gattin des letzten Diktators auf deutschem Boden, den Fragen des vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilmers Eric Friedler ("Aghet - Ein Völkermord", "Das Schweigen der Quandts") und spricht in dem 90-minütigen NDR Dokumentarfilm "Der Sturz - Honeckers Ende" offen über das Ende der DDR, über Verrat, Intrigen und Verbrechen der DDR-Diktatur.
Die Staatssicherheit sieht Margot Honecker als legitime Notwendigkeit, die Tausende politischer Häftlinge der DDR bezeichnet sie schlicht als kriminell. Bis heute traumatisierte Opfer, die als Jugendliche in geschlossenen Jugendwerkhöfen unter Isolationshaft und Psychoterror litten, sind für sie "bezahlte Banditen", während sie den Vorwurf der Zwangsadoption von Kindern politischer Gegner kategorisch ablehnt: "Es gab keine Zwangsadoption."
Sie rechnet mit ehemaligen Genossen wie Egon Krenz oder Hans Modrow ab, wirft ihnen Verrat an der DDR vor: "Es tut mir leid, dass sie sich so geirrt haben." Margot Honeckers Aussagen sind Teil von Eric Friedlers komplex strukturiertem Dokumentarfilm "Der Sturz - Honeckers Ende".
Am 3. Dezember 1989 bricht die DDR zusammen.
18 Jahre lang regierte Erich Honecker die DDR. Sein Sturz 1989 läutete den Untergang des Staates ein, der sich 40 Jahre als "das bessere Deutschland" bezeichnete. Nazi-Opfer und Alleinherrscher, spießig und machtbewusst: Honecker war ein ideologischer Hardliner, der 1961 den Aufbau der Mauer koordinierte und dessen Regime als Unrechtsstaat für Mauertote, Schießbefehl, Stasi und Zwangsadoptionen stand.
Im Umfeld der Wende stürzte der ehemalige Vorzeige-Sozialist in die Obdachlosigkeit, sah sich auf der Flucht im eigenen Land. Krebskrank gelang es ihm, sich der Verantwortung vor einem Gericht durch die Ausreise nach Chile zu entziehen, wo er 1994 starb.
In der Dokumentation "Der Sturz – Honeckers Ende" untersucht Eric Friedler Honeckers letzte Tage in Deutschland und kommt bei der Analyse dieser Ereignisse zu überraschenden Erkenntnissen.
Gleichzeitig porträtiert der Film mit einer eindrucksvollen Vielzahl hochkarätiger internationaler und nationaler Zeitzeugen Aufstieg und Fall dieses widersprüchlichen deutschen Politikers. Am 25. August 2012 wäre Erich Honecker 100 Jahre alt geworden.
"Der Sturz - Honeckers Ende"
Montag, 2. April
21.00 Uhr
ARD
PD