Berlin. Mehr als 50 namhafte Künstler haben zur Verteidigung der Kultur in Deutschland aufgerufen. Sie werfen in ihrem öffentlichen Appell den Autoren des umstrittenen Buches «Der Kulturinfarkt» vor, staatliche Kulturförderung zu diskreditieren.
Der Aufruf wurde von der Akademie der Künste in Berlin verfasst und von Künstlern wie Günter Grass, Wolfgang Rihm, Klaus Staeck, Margarethe von Trotta, Iris Berben, Senta Berger und Wim Wenders unterzeichnet.
Dagegen schlagen Dieter Haselbach, Armin Klein, Pius Knüsel und Stephan Opitz in ihrem Buch "
Der Kulturinfarkt" vor, jede zweite mit öffentlichen Mitteln finanzierte Kultureinrichtung zu schließen.
Wortlaut (Quelle: Pressemitteilung Akademie der Künste Berlin)
Ausgelöst durch das Pamphlet "
Der Kulturinfarkt" erleben wir gerade einen in den Jahren seit der deutschen Vereinigung beispiellosen Versuch, die Förderung der Kultur durch die öffentliche Hand zu diskreditieren und pauschal als Subvention zu diskriminieren.
Warum verbreitet ein Nachrichtenmagazin eine fahrlässige, von Ungereimtheiten strotzende Polemik als Kampfinstrument gegen eine Gesellschaft, die sich dazu bekennt, Kulturinstitutionen als für unser Gemeinschaftsleben notwendige Errungenschaften zu erhalten und zu verteidigen?
Als später Ausbruch neoliberalen Denkens wird empfohlen, die Hälfte der geförderten Theater, Museen, Archive, Galerien und Bibliotheken zu schließen. Eine Halbierung der kulturellen Infrastruktur – ohne Ansehen deren historischer Verwurzelung in den Städten und Regionen – soll auf rätselhafte Weise dazu dienen, im Wege der Umverteilung die andere Hälfte am Leben zu erhalten.
Danach hätten sich Kunst und Kultur dem Diktat der Quote zu stellen. Gefragt ist Massentaugliches – alles andere erhält keine festen Förderzusagen mehr. Statt «Kultur für alle» soll die Kultur offenbar wieder zu einem elitären Gut werden.
Die Akademie der Künste protestiert gegen diesen mit klarer Absicht inszenierten Tabubruch, die Grundlagen einer öffentlichen Kulturförderung zu zerstören.
Die Fragen nach notwendigen Strukturveränderungen für eine zukunftsorientierte Kulturpolitik bedürfen einer ernsthaften und verantwortungsbewussten Debatte, die auf breiter Front schon längst im Gange ist. Auf eine alternativlose Kahlschlag-Diskussion werden wir uns nicht einlassen. Sie würde unsere Kulturnation nachhaltig schädigen.
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