Frankfurt, Main. Die erste Sonderschau in dem im Dezember wiedereröffneten Flügel «Alte Meister» widmet das Frankfurter Städel dem Barockkünstler Claude Lorrain. Ab Freitag (3. Februar) zeigt das Museum unter dem Titel «Die verzauberte Landschaft» 130 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken des schon zu Lebzeiten überaus erfolgreichen Franzosen.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Ashmolean Museum in Oxford und läuft bis 6. Mai. Der in Lothringen geborene Lorrain (um 1600 bis 1682) lebte seit 1625 in Rom und gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler des 17. Jahrhunderts.
Die Ausstellung mit Leihgaben aus London, Paris und Berlin wurde konzipiert vom Städel-Kunsthistoriker Martin Sonnabend und seinem Kollegen Jon Whiteley vom Ashmolean. In Oxford waren die Bilder bis 8. Januar zu sehen. Lorrains Arbeitsweise, sagte Sonnabend am Donnerstag, entspreche nicht dem, was Akademien seinerzeit lehrten. "Mit seinen Kenntnissen der Natur setzte er seine Kompositionen aus Bausteinen zusammen", erläuterte der Kunsthistoriker. Lorrain habe auf Wanderungen dafür einen Zeichnungsvorrat angelegt und daraus stets neue Landschaftsvarianten kreiert.
Die Gemälde des Franzosen gingen daher über die Wirklichkeit hinaus, beschreibt Kurator Sonnabend einen Ansatz des Ausstellungskonzepts: "Und genau diese hoch reflexive Arbeitsweise wollen wir anhand der Zeichnungen und Grafiken beleuchten." So ist in der Ausstellung im Obergeschoss des Städels beispielsweise das Gemäldepaar "Küstenansicht" und "Urteil des Paris" (beide 1633) um Lorrains Naturstudien und Figurengruppen aus frühen Skizzenbüchern sowie Radierungen ergänzt. Als Detailvorlagen oder Motive fanden die Zeichnungen Eingang in die Entstehung eines Gemäldes.
Zahlreiche andere Skizzen habe Lorrain wiederum nach eigenen Gemälden angefertigt und in sein Privatalbum "Liber Veritatis" eingefügt, erklärte Sonnabend. Mit diesem Archiv wollte der spätestens ab 1635 reich beauftragte Maler die Urheberschaft an seinen Originalen dokumentieren können. "Dabei reflektierte Lorrain gleichzeitig sein gemaltes Werk und es entstand ein neuer Motivvorrat", berichtete Sonnabend. Fünf aufwendig ausgearbeitete Zeichnungen aus dem "Liber Veritatis" sind im Städel zu sehen.
Jon Whiteley vom Ashmolean sagte in Frankfurt, ohne Lorrain sei die englische Landschaftsmalerei, auch die eines William Turner, nicht denkbar. Drei Viertel der Werke des Franzosen seien durch die Kaufwut britischer Italienreisender im 18. und 19. Jahrhundert auf die Insel gekommen und hätten dort auch maßgeblich die Gestaltung von Parks beeinflusst. "Wir waren mit Lorrain fast zu sehr vertraut", sagte Whiteley: "Die Zusammenarbeit mit dem Städel war ungewöhnlich gut und hat uns neue Perspektiven eröffnet."
DAP