Istanbul. Anlässlich des Gedenktags an die Opfer des Nationalsozialismus hat der türkische Fernsehsender TRT am 26. Januar 2012 den Dokumentarfilm «Shoah» über den Mord an Millionen Juden während des Dritten Reichs ausgestrahlt. Es war das erste Mal, dass der Film von einer staatlichen Rundfunkanstalt in einem mehrheitlich muslimischen Staat gezeigt wurde.
Die insgesamt neunstündige Dokumentation des französischen Regisseurs Claude Lanzmann beinhaltet Interviews mit Überlebenden und ehemaligen Wächtern der Konzentrationslager. Lanzmann arbeitete elf Jahre an der Dokumentation, die 1985 erstmals gezeigt wurde. Das sogenannte Aladdin Project untertitelte den Film in Arabisch, Farsi und Türkisch. Die Ausstrahlung des Films in der islamischen Welt soll das Verständnis zwischen Muslimen und Juden fördern und die Leugnung des Holocausts bekämpfen.
2011 hatte ein in Los Angeles ansässiger Satellitensender "Shoah" bereits im Iran ausgestrahlt. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte in der Vergangenheit immer wieder die Zahl der Opfer des Holocausts angezweifelt und zur Vernichtung Israels aufgerufen. In der Türkei war "Shoah" zuvor bereits auf einem Filmfestival gezeigt worden. Bei der Sendung nun handelt es sich jedoch um die erste Ausstrahlung der Dokumentation im staatlichen Fernsehen eines muslimischen Landes. Regisseur Lanzmann hoffte, dass weitere Staaten des islamischen Welt nun dem Beispiel der Türkei folgten. "Es ist sehr wichtig, dass [der Film] in einem muslimischen Land gezeigt wurde. Die Türken sind Pioniere und ich bin mir sicher, dass andere muslimische Länder mit [der Ausstrahlung] folgen werden."
DAP