Kassel. Sechs Monate vor der Eröffnung der 13. Documenta in Kassel hat die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev erste Einblicke in das Kunstereignis gegeben. Es sei die größte und wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst, sagte sie am Dienstag in Berlin.
Die documenta (13) beginnt am 9. Juni 2012. Mehr als 100 Künstler aus aller Welt präsentieren die ganze Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen wie Skulptur, Installation, Performance, Malerei, Fotografie, Film, Text, audiobasierte Arbeiten und experimentelle Darstellungsforme. Die Leiterin kündigte an, dass die offizielle Liste der Teilnehmer Ende März vorgestellt wird. Das Erlebnis solle "frisch und neu" sein, erklärte die US-Amerikanerin mit italienischen und bulgarischen Wurzeln.
Für sie sei die Documenta "eine Form der Recherche und Untersuchung", heißt es im Informationsblatt. "Ihr experimenteller Ansatz entspricht dem der Künstler und Künstlerinnen, mit denen sie zusammenarbeitet." Christov-Bakargiev sagte, für sie sei es mehr als eine Kunstausstellung. Ihr gefalle der Begriff "Erscheinung" besser als Ausstellung.
Ziel sei es, ein Projekt im Sinne einer "Mikrophysik der Begegnungen" zu schaffen. Die Leiterin ordnete die künstlerischen Teilnehmer in vier Hauptbereiche ein, und zwar den Zustand der Belagerung, des Rückzugs, der Hoffnung und des Optimismus sowie der Bühne.
Die Künstlerin Julieta Aranda erläuterte am Dienstag ihr gemeinsam mit Anton Vidokle entwickeltes Projekt "Time Bank", das sich mit Zeit als alternativem Zahlungsmittel beschäftigt. Es wird definiert als Plattform und Gemeinschaftsforum für den kulturellen Sektor, wo Waren und Dienstleistungen getauscht werden können, ohne dass hierfür Geld benötigt wird. "Time/Bank-Außenstellen" gibt es bereits in Liverpool (2010), Den Haag und Frankfurt am Main (2011). Sie beschrieb die "Zeit/Bank" als soziale Skulptur "ein bisschen wie Joseph Beuys".
Die Documenta-Besucher können sich mit dem neu entwickelten mobilen Gerät, dMAPS, im "Labyrinth" der Angebote orientieren. Die Räume der Documenta sind auf zuvor nie erprobte Weise über das gesamte Kasseler Stadtgebiet verteilt. Das Gerät ist anders konzipiert als eine App: "Anstatt Erklärungen zu den Kunstwerken zu liefern, fungiert es als Mediaplayer, der es den Besuchern ermöglicht, zuzuhören und etwas zu empfinden", erklären die Veranstalter. Unter anderem können aufgezeichnete Gespräche mit einigen Künstlern angehört werden.
DAP