Duisburg. In der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord inszeniert Calixto Bieito «Hanjo», eine Oper von Toshio Hosokawa, nach einem Nô-Spiel von Yukio Mishima, das von Donald Keene ins Englische übersetzt wurde.
Hanako (Kerstin Avemo), eine ehemalige Geisha, plagt die Gewissheit der baldigen Rückkehr jenes Mannes, dem sie einst den Treueschwur ablegte. Die Künstlerin Jitsuko (Ursula Hesse von der Steinen) liebt sie ebenfalls und will sie bei sich behalten, bis der Mann wiederkehrt...
Das Duisburger Ruhrtriennale-Publikum war auf alles vorbereitet – gilt doch Calixto Bieito als Skandalregisseur, der sich nicht scheut, Opernstoffe radikal zu inszenieren. Doch als der imaginäre Vorhang fiel, gab es großen Jubel. Der spanische Regisseur , der in seinen Arbeiten immer wieder die dunklen Abgründe der menschlichen Existenz ans Licht holt, hat die Oper "Hanjo" fantasievoll neu interpretiert. In seiner Inszenierung stolpern die Darsteller über Steine und Bahnschienen, oder stehen im Nebel und steigen über einen Baum, der am Bahnhof auf den Schienen liegt.
Hanjo führt dem Publikum die traurige Wirklichkeit einer Welt vor Augen, in der sich das Warten auf die große Liebe nicht lohnt. In dem perfiden Spiel der seelischen Abgründe neidet die teuflische Jitsuko (Ursula Hesse von der Steinen)- selbst vom Leben enttäuscht - dem ersehnten Freund Yoshio (Georg Nigl) Hanakos (Kerstin Avemo)hingebungsvolle Liebe. Sie ist zu Allem bereit, um Hanako für sich selbst zu gewinnen.
Unerwartet nimmt sich der lang Ersehnte schließlich das Leben, nachdem Hanako erkannt hat, dass er dem Bild, das sie von ihm kultiviert hat, nicht standhalten kann. Hanako und Jitsuko bleiben beieinander - die eine wartet weiter, die andere hat nichts worauf sie warten kann.
Durche eine Art kraftvolle Bewegungslosigkeit der Darsteller und sehr eindringlichen Lichteffekten, werden die Zuschauer dazu gebracht, sich auf die Inzenierung zu konzentrieren. Der Plan geht auf. Eine Art meditative Spannung überträgt sich von der Tiefe der Bühne auf die Zuschauer und fesselt. Alles ist auf das Geschehen gerichtet. Die Leidensgeschichte Hanakos, die in roten Netzstrümpfen und blutigen Socken eine ehemalige Geisha spielt, wird zu einer neuen Erfahrung für die Sinne. Außerordentliche Bühnenpräsenz, gesanglich meisterhaft, vermittelt das aus drei exzellenten Sängern bestehende Ensemble. Musikalisch herrschen unter der Leitung von Garry Walker und der Kölner "musikFabrik" avantgardistische Klangwelten, gepaart mit inszenatorisch schlichter Klarheit vor. Das minimalistische, nicht wechselnde Bühnenbild von Susanne Gschwende zeigt durchwehte, vernebelte Bilder von erlesener Schönheit.
Für das Publikum ensteht ein Sog in eine surrealistische Welt.
Beklemmende, schöne Szenen, ein eindrückliches Stück Oper sind in "Hanjo" bei der Ruhrtriennale zu sehen, ideenreich von Calixto Bieito inszeniert. Das Stück zeigt imposante Bilder und ist eine minimalistische Oper, die weit mehr ist als bloße Unterhaltung. Bestechend in ihrer Klarheit und extremen Reduktion, ist die Inszenierung für die Ruhtriennale ein Glücksfall. 80 Minuten, die mitreißen.
"Hanjo"
von Toshio Hosokawa
Regie: Calixto Bieito
Ruhrtriennale 2011
Weitere Vorstellungen:
1., 3., 5., 7., und 8. Oktober 2011
Gebläsehalle, Landschaftspark Duisburg-Nord
Restkarten unter:
www.ruhrtriennale.de
Nô-Spiel
Nô-Spiele werden seit dem 15. Jh. unter Verwendung mythologischer Stoffe in Japan aufgeführt. Dabei wird Theater mit Gesang, Tanz, Musik, Deklamation und Pantomime auf die Bühne gebracht.
Tho