Berlin. Papst Benedikt der Sechzehnte hat zum Abschluss seines ersten Besuchstags in Deutschland vor mehr als 60.000 Menschen eine Messe gefeiert. Im Berliner Olympiastadion rief er die Gläubigen auf, trotz der Negativ-Schlagzeilen zur Katholischen Kirche zu stehen. Dabei vermied er es aber, direkt auf kritische Themen - wie Missbrauch durch Geistliche oder Zölibat - eingehen.
Bereits am Nachmittag appelierte Benedikt XVI. an die Verantwortlichkeit der Parlamentarier im Bundestag, bei ihren Entscheidungen an die Rechte der Menschen zu denken. Es ist das erste Mal, dass ein Papst vor den deutschen Parlamentariern spricht.
Im Vorfeld hatte die Einladung des Papstes für viel Unmut gesorgt: Abgeordnete hatten im Vorfeld angekündigt, der Rede fernzubleiben: Sie sehen die Trennung von Staat und Kirche verletzt. Die meisten Abgeordneten hießen das Oberhaupt der katholischen Kirche aber stehend und mit langem Applaus willkommen. Etwa die Hälfte der Linksfraktion blieb der Rede fern.
Zu Beginn seines Besuchs war Benedikt der Sechzehnte von Bundespräsident Wulff empfangen worden. Dabei betonte Wulff, Kirche sei keine Parallelgesellschaft, sondern müsse sich drängenden Fragen der Gesellschaft stellen. Merkel sagte nach einem Gespräch mit dem Papst, es sei um Europa und die Krise auf den internationalen Finanzmärkten gegangen.
Begleitet wurde der Besuch des Papstes in Berlin von Demonstrationen. Die Kundgebungsteilnehmer forderten mit Blick auf den Auftritt Benedikts im Bundestag die strikte Trennung von Staat und Religion.
Am Brandenburger Tor machten etwa 100 Missbrauchsopfer und ehemalige Heimkinder auf ihre Situation aufmerksam. Sie forderten von der Kirche, die Vergehen in katholischen Einrichtungen vollständig aufzuarbeiten - und kritisierten, dass der Papst dieses Thema in seiner Rede nicht ansprach.
Knapp 70 Organisationen hatten unter dem Motto: "Keine Macht den Dogmen" Demonstationen organisiert..
Der Papst ist noch drei Tage zu Besuch in Deutschland.
Tho