Moers. Von Jahr zu Jahr zieht das internationale Jazzfestival von Moers Fans aus ganz Deutschland und dem nahen Ausland an den Niederrhein. In seiner langjährigen Geschichte hat sich das Festival zum wichtigsten Treffen der Jazzwelt entwickelt.
Das gigantische Festival ging am Pfinstwochenende in die 40. Auflage. 300 Künstler und 10.000 Festivalbesucher pilgernten an drei Tagen nach Moers. Das Event war für Jazzliebhaber jeden Alters und jeder Kultur ein besonderes Ereignis. Zum ersten Mal war das Festivalzelt im Schlosspark an allen Tagen ausverkauft. Der US-Jazzmusiker Ornette Coleman hat beim Jubiläum als Überraschungsgast für ein Highlight in Moers gesorgt.
Im 40. Jahr darf Moers zwar keinen Besucherrekord verbuchen, der künstlerische Leiter Rainer Michalke zeigte sich trotzdem zufrieden. Rund 10.500 Besucher besuchten an drei Tagen den Schloßpark. Im letzten Jahr waren es 14.000 Gäste, allerdings an vier Festivaltagen, das Festival 2011 wurde aufgrund kommunaler Sparmaßnahmen um einen Tag reduziert. Ebenfalls nicht mehr kostenlos, war das Campen im Schlosspark. Für Camper ohne Festivalticket wurden zwischen 25 € und 45 € fällig. Dies war unter anderem eine Maßnahme, um die hohen Kosten für anfallenden Müll aufzufangen. Um die 600 Zeltteams folgten diesem Angebot.
Neben den etablierten Stars der no-Mainstrem Jazzszene waren Künstler aus der ganzen Welt zu erleben, die grenzüberschreitende Beziehungen zwischen lokalen Folkloren und globalen Sounds und Klangentwicklungen in den Mittelpunkt ihres kreativen Schaffens stellten. So waren u.a. Abdullah Ibrahim, Specialguest Ornette Coleman, The Dorf, Nils Petter Molvær, der Schlagzeuger Ronald Shannon Jackson und aus Kolumbien die die Salsa-Band La - 33 zu Gast in Moers.
Neben den Konzert-Highlights im Festivalzelt, drehte sich auch tagsüber alles um Jazz. Bei den kostenlosen Morning-Sessions spielten verschiedene Jazz-Bands und auf dem Gelände des Schloßparks traten Kleinkünstler auf.
Es ist die Kombination von familiärer Atmosphäre mit Avantgarde, die den Musikern in Moers gefällt. Auf den stürmischen Beginn in den 1970er Jahren folgte der Umbruch im Jahr 2011: Statt vier waren am Wochenende nur an drei Tagen Jazzfans zu Gast in Moers - die 40. Featival-Auflage wurde aufgrund kommunaler Sparmaßnahmen um ganze 24 Stunden reduziert.
Lauter leise Kunst mit Abdullah Ibrahim, einer der bekanntesten islamischen Jazzer überhaupt. Ein unvergleichlicher, irgendwie eigenwilliger Genuss. Ibrahim zog seine Publikum in den Bann und ließ es zwischendurch nicht einmal zum Applaudieren los, die einzelnen Stücke gingen in einander über. 45 Minuten dauerte sein Soloauftritt in Moers - so leise und doch intensiv.
Der ganz große Wunsch in Moers ist doch in Erfüllung gegangen: Die Free Jazz-Legende Ornette Coleman (81) war der alles überstrahlende Stargast des 40. Moerser Festivals. Der Erfinder des Free Jazz reiste eigens aus Anlass des 40. Geburtstags an. Wahrlich virtuos agierte das Geburtstagsgeschenk Ornette Coleman im Festivalzelt. Colemann entlockte seinem Saxophone großartige Variationen an Rhythmik, Dynamik und Gefühl.
Zu einem besonderen Highlight des diesjährigen Festivals zählt auch die derzeit von der heimischen Fachpresse gefeierte 25-köpfige Orchester "The Dorf". Die Truppe wurde im November 2006 von dem Saxofonisten und Komponisten Jan Klare und mit Unterstützung des Dortmunder Jazzclubs Domicil ins Leben gerufen und hieß zunächst "Off Domicil Orchester".
Vom neuen Idealismus geprägt, entwickelte sich das Moers-Festival zu einer führenden Institution der Internationalen Jazz-Szene.
Hei