Einen Traum hat er noch: Karl Marx zu spielen, in einem Film über den Philosophen. Am 8. September 2010 wird Mario Adorf 80 Jahre alt.
Er ist weder Kaufhausmogul, noch Bauunternehmer, noch Serienmörder, doch in diesen Rollen hat er, der geniale Charakterdarsteller, Faszination und Gänsehaut erzeugt. Fernsehgeschichte hat er in "Kir Royal" als geldgieriger Provinzindustrieller geschrieben, einer, der sich unbequeme Journalisten einfach kauft. "'Ich scheiß’ dich zu mit meinem Geld.' Ja, das ist Kult geworden", gibt Adorf zu. "Es war auch wirklich eine wunderbare Rolle, für die ich dem Helmut Dietl dankbar bin. Das ist diese merkwürdige Mischung: wie ein lächerlicher Mann zu einem mächtigen Mann wird." Schon 1957 bekam der junge Adorf den Bundesfilmpreis für den Thriller "Nachts, wenn der Teufel kam". Er spielt einen psychopathischen Frauenmörder, macht diesen gleichermaßen zum Täter und zum Opfer - der Durchbruch für seine Schauspielerkarriere.
Doch das mit dem Italienersein erwies sich als Irrtum: "Mein Versuch, mich zu assimilieren, ist gescheitert an dem Bewusstsein, dass ich, je mehr ich das versuchte, umso mehr feststellte, wie deutsch ich bin. Also meine ganze Liebe zu Italien, mein Nach-Italien-Gehen, die Kunst, das Land, die Sonne suchen, alle diese Dinge sind außerordentlich deutsche Eigenschaften und keine italienischen." Er ist dann bekanntlich herumgekommen in der Filmwelt und hat mit Hollywood-Stars gespielt wie Henry Fonda, Sophia Loren und Claudia Cardinale. Später wurde er von den jungen deutschen Filmemachern entdeckt, von Fassbinder und Schlöndorff. In dessen Film "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" spielt er den Kommissar als einen rauen, gefühllosen, wenn auch manchmal ambivalenten Machtmenschen.
Nun hat man einen Film auf ihn zugeschrieben: "Der letzte Patriarch". Ein Lübecker Marzipanfabrikant gerät in die Wirren familiärer und wirtschaftlicher Verwicklungen. Es ist wieder eine Rolle, die ihn schon deshalb reizt, weil sie ganz anders ist als der Mensch Mario Adorf. Dort spielt er ein Familienoberhaupt. "Es ist eine neue Rolle für mich", sagt er. "Ich bin kein Familienmensch, ich habe keine große Familie, mit Söhnen, Töchtern und Enkeln und was alles. Ich habe einen Enkel und eine Tochter." Und er hat seine Ehefrau Monique Faye. Seit 42 Jahren sind sie liiert, seit 25 Jahren verheiratet. Eine starke Beziehung, die vielleicht einer der Gründe ist, warum Mario Adorf seinem 80. Geburtstag gelassen entgegen sieht: "Es ist für mich eine unwahrscheinliche Zahl, unwahrscheinlich im Blick auf mich selber. Dass ich sage 'um Gottes willen', man fühlt sich selbst sehr viel jünger. Also, die Zahl könnte einem ein bisschen Angst machen - allerdings Angst macht sie mir nicht. Aber ich hätte sie auch nicht so in den Vordergrund gestellt."
Der ewige Böse
Lange Zeit galt er nur als der Spezialist für die Darstellung des Bösen. In "Winnetou 1" etwa spielte er den gnadenlos-zynischen Revolverhelden Santer. "Oft wird gesagt, dass das Böse unmenschlich ist",so Adorf. "Man macht es sich also einfach, indem man sagt: 'Das ist so negativ, das hat mit uns Menschen nichts zu tun, das grenzen wir aus,' anstatt zu sagen: 'Das ist das Böse in uns allen.'"
Der Schauspieler hat viele Wohnsitze. "Zuhause bin ich, wo ich mich wohl fühle", sagt er. Und das ist in Paris, München, Saint Tropez und 40 Jahre lang auch in Rom. Vier Sprachen spricht er fließend. Die ersten Lebensjahre hat er im Waisenhaus verbracht. Seine Mutter, eine Näherin, musste arbeiten. Familienleben gab es nur sonntags. Sein Vater ist ein kalabrischer Arzt: "Mit 20, 21 habe ich ihn kurz gesehen, kurz kennengelernt", erinnert sich Adorf. "Ich sprach in der Zeit nicht Italienisch und es war eine sprachlose Begegnung. Man konnte sich nur anschauen. Ich habe dann auf lateinisch ein paar Brocken zusammengebracht. Aber es war auch die einzige Begegnung. Er ist dann sehr früh gestorben." In den 1960er Jahren zog es ihn in sein italienisches Sehnsuchtsland. Er warf sich mit Haut und Haaren in italienische Filmproduktionen - als Held von Spaghetti-Western, als Mafia-Boss und auch als Benito Mussolini.
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