Nun will "Tagesschau"-Sprecherin Judith Rakers mit dem 51-Jährigen "alt werden", wie sie am Dienstag bei einem Pressetermin in Hamburg sagte. Ab 3. September ist die 34-Jährige Nachfolgerin von Roche und feste Ko-Moderatorin der 1974 gestarteten und ältesten Talkshow im deutschen Fernsehen.
Im Juli war Rakers bereits als Gastmoderatorin bei "3 nach 9" zu sehen und hatte es unter anderen mit Rapper Sido und Schauspieler Pierre Brice zu tun. Man habe "ein Potenzial gewittert", sich gemeinsam weiterentwickeln zu können, sagte Radio-Bremen-Programmdirektor Dirk Hansen, und dass die Sendung auch immer wieder eine Frischzellenkur brauche.
Insgesamt führten seit November 1974 über 40 Moderatoren durch die Sendung. Di Lorenzo ist seit über 20 Jahren dabei und der dienstälteste Moderator bei "3 nach 9". Rakers hat ihn bei ihrer Gastsendung als hochprofessionell, sehr konzentriert, sehr charmant und sehr offen ihr gegenüber empfunden, wie sie sagte. "Ich finde, er könnte ein bisschen gerader sitzen", schickte sie noch nach. "Das hat mir schon meine Mama gesagt", konterte di Lorenzo.
Er sei schon immer für die Gleichberechtigung von Mann und Frau gewesen, auch in den Medien, entgegnete er auf die Frage nach der Rollenverteilung der beiden in der Sendung. Sie sei "kein Incentive", betonte Rakers, die auch auf ihre 15-jährige journalistische Erfahrung in Print- und elektronischen Medien verwies. In einem Interview hatte sie einmal gesagt: "Wer mich kennt, weiß, dass ich gar nicht der kühle, distanzierte Typ bin."
An Rakers habe ihm gefallen, dass sie eine Kollegin mit einem Geheimnis sei, und dies sei gut für die Sendung, sagte der Moderator und "Zeit"-Chefredakteur. Bei ihr wollten die Zuschauer wissen, wie sie denn eigentlich sei, wenn sie nicht die "Tagesschau" moderiere.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sowie die frühere EKD-Vorsitzende Margot Käßmann hätte er sich vor dem Engagement seiner neuen Ko-Moderatorin aber noch als Gastmoderatorinnen gewünscht. Dann wäre jedoch sein "Bedarf nach Abwechslung für die nächsten 20 Jahre gedeckt" gewesen. Für die Sendung sei ein festes Moderatorenteam gut, sagte di Lorenzo.
Angst vor bestimmten Gästen habe sie nicht, aber Respekt, sagte Rakers. Ihre Wunschgäste änderten sich von Woche zu Woche. Derzeit wären es unter anderen der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), Fußballprofi Mesut Özil, die Witwe des verstorbenen Nationaltorhüters Robert Enke, Teresa Enke, und "Topmodel"-Catwalk-Trainer Jorge Gonzalez. Di Lorenzo nannte seinerseits SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, der derzeit als Politiker pausiert, weil er seiner kranken Frau eine Niere spendet.
In Rakers' erster regulärer Sendung am 3. September (22.45 Uhr, NDR/RB-Fernsehen) werden nun erst einmal Tom Jones, Hannelore Elsner und Ulrich Tukur zu Gast sein. Tom Jones würde di Lorenzo gerne Rakers überlassen. Die meinte mit Blick auf ihre Begegnung mit Pierre Brice dazu, sie habe mit "alternden, fremdsprachigen Sexsymbolen" ja jetzt so ihre Erfahrungen.
Programmdirektor Hansen sieht bei der Traditionssendung nun auch die Herausforderung, sie zukunftssicher zu machen. Es müsse ein Signal an jüngere Zuschauer geben, dass man offen für sie sei. Dabei dürfte aber auch das Stammpublikum nicht verprellt werden. Das sieht offenbar auch di Lorenzo so: "Es ist eine sehr liebenswerte Nische, die wir da haben."
DDP