Gemeinsam schufen sie mehr als 15 Filme, darunter Meisterwerke wie "Die Ehe der Maria Braun". Ballhaus drehte auch mit Regisseuren wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Wolfgang Peterson. Einen Namen in der Filmbranche machte sich Ballhaus vor allem durch seine Experimentierfreude. In der Tradition des großen Kameramanns des deutschen Expressionismus, Karl Freund, wandte auch Michael Ballhaus immer wieder das bildästhetische Mittel der entfesselten Kamera an. Seine 360-Grad-Kamerafahrt, der "Ballhaus-Kreisel", wird bis heute von vielen Kameramännern kopiert.
Hollywood schätzt sein Auge für ungewöhnliche, bestechende Bilder. Angefangen hat das Ende der 50er Jahre. Da saß Ballhaus an der Studiokamera beim Südwestfunk Baden-Baden, wo er Chefkameramann wurde und Fernsehspiele drehte. Die sichere Festanstellung tauschte der junge Familienvater dann aber gegen das Abenteuer, als freier Kameramann mit Filmemachern zu arbeiten und an der Filmhochschule zu unterrichten. Anfang der 70er Jahre traf Ballhaus auf Fassbinder. Er wurde zu seinem wichtigsten Kameramann - und Fassbinder inspirierte ihn, provozierte zu visuellen Experimenten.
"Bollwieser", ein Film über einen Kleinbürger, der über seine Verhältnisse geheiratet hat, besticht durch seine komponierte Künstlichkeit, Spiegelungen und Doppelbödigkeit sind auf die Spitze getrieben, Kamera und Regie ein geniales Team. Aber die Arbeit mit Fassbinder ist explosiv. 1984 dreht Ballhaus in den USA seinen ersten Film für Martin Scorsese - der Beginn einer Karriere in Hollywood. "After Hours" ist für amerikanische Verhältnisse eine Low-Budget-Produktion. In 40 Nächten erzählt der Film, wie ein Unbedarfter schuldlos in Bedrängnis gerät und auch noch sein letztes Geld verliert. Der Film wurde für Martin Scorsese zum Comeback nach langer Erfolglosigkeit. Auch sein zunächst gescheitertes Projekt "The Last Temptation of Christ" realisierte Scorsese mit Ballhaus. Gedreht wurde in Marokko, auch diesmal eine Hollywood-Low-Budget-Produktion. Sein nächster Film mit Scorsese war schon ein mehrere Millionen schweres Großprojekt. "The Age of Innocence" spielt im Milieu des New Yorker Geldadels Ende vorletzten Jahrhunderts - ein Schwelgen in schönen Bildern und aufwendiger Ausstattung. Vor drei Jahren kehrte er aus Hollywood zurück und lebt seitdem wieder in Berlin.
Tho