Romy Schneider im Film «L Enfer - Das Inferno» aus dem Jahr 1964. Es war ein Film, der alle in den Wahnsinn treiben sollte. Der Film von Henri- Georges Clouzot blieb ein nie vollendetes Experiment, das mit einem Herzinfarkt des Regisseurs vorzeitig endete und das erst vor kurzem im Dokumentarfilm «L'Enfer de Henri-Georges Clouzot» überhaupt an die Öffentlichkeit gelangte. Nun erzählen ein Bildband und ein Dokumentarfilm die Geschichte dieses Filmprojekts. Rund 40 Jahre waren die Aufnahmen der jungen Romy Schneider unter Verschluss. Sie zeigen die Schauspielerin so sinnlich wie nie.
Er enthält die schönsten bisher nie veröffentlichten Romy Schneider-Bilder von den Dreharbeiten des Films «L'enfer/Inferno», den der große Regisseur Henri- Georges Clouzot (Lohn der Angst mit Yves Montand, Charles Vanel und Peter van Eyck; Die Teuflischen mit Simone Signoret, Paul Meurisse und Véra Clouzot) 1964 unvollendet abbrechen musste. In der Filmgeschichte ist L'enfer - das Inferno, die Hölle - das sagenumwobene Dokument eines großen Scheiterns. Die Hölle entsteht im Kopf eines Ehemanns (Serge Reggiani), den die krankhafte Eifersucht gegenüber seiner schönen Frau (Romy Schneider) in den Wahnsinn treibt. In den Wahnsinn trieb auch Regisseur Clouzot sein Filmteam bei den Dreharbeiten an der Côte d'Azur im Sommer des Jahres 1964, bis ein Herzinfarkt ihn zum Abbruch zwang. Das Buch, das Originalmaterial aus den bereits gedrehten Szenen und Photos von den Dreharbeiten illustriert ist, zeigt Romy Schneider als 25-Jährige auf der Höhe ihrer körperlichen Schönheit.
Der Filmhistoriker Serge Bromberg hat drei Jahre lang recherchiert, um das Geheimnis von «L´Enfer» zu lüften und der Legende des nie beendeten Films auf die Spur zu kommen: «Als wir die Filme gefunden hatten, war ich erstaunt: es sind 185 Filmdosen, ich dachte es seien zehn. Und dann der spannende Moment - Plötzlich schauen uns Romy Schneider und Clouzot an, der sich selbst gefilmt hatte. Unglaublich!»
«Bei den Probeaufnahmen stellte ich fest, dass Clouzot der schwierigste Regisseur war, dem ich je begegnet war», sagte Romy Schneider. «Schwierig nicht im negativen Sinn. Dieser Mann ist nie zufrieden. Er ist ein Perfektionist, der will, dass jeder Ton, jede Beleuchtung, jede Bewegung bis auf die kleinste Nuance dem gleicht, was er sich vorgestellt hat. Ich fragte mich: Wie wirst du 18 Wochen Drehzeit mit Henri-Georges aushalten?»
Mitte der 1960er Jahre durchlebt die Schauspielerin Romy Schneider eine berufliche Krise: Sie hadert mit dem glatten Image, das ihr in der Öffentlichkeit seit ihren Anfängen als die „süβe Sissi« anhaftet und verzweifelt daran, dass man ihr keine ernstzunehmenden Rollen anbietet. Ihr Privatleben ist gleichermaβen chaotisch, und es gelingt ihr trotz aller Bemühungen nicht, ihre Schauspielkarriere positiv zu beeinflussen: Weder „Die Hölle“ (1964) von Henri-Georges Clouzot noch „Was gibt’s Neues, Pussycat?“, „Halb elf in einer Sommernacht“, „Schornstein Nr. 4“ oder „Spion zwischen zwei Fronten“ bringen den gewünschten Erfolg. Das Renommee der österreichischen Schauspielerin, die zwischen Paris und Berlin pendelt, ist 1968 derart gesunken, dass die Produzenten den Gedanken verwerfen, ihr die Rolle der Marianne an der Seite ihres ehemaligen Geliebten Alain Delon in „Der Swimmingpool“ von Jacques Deray zu geben. Es ist allein der Beharrlichkeit der beiden Männer zu verdanken, dass sie die Rolle schlieβlich bekommt. Romy Schneider spürt, dass dieser Film wichtig für ihre Karriere ist. Sie kommt ausgeruht und strahlend vor Schönheit und Sinnlichkeit am Drehort an. Diese Ausstrahlung verdankt sie auch der neuen Liebe in ihrem Leben, Harry Meyen, dem Vater ihres zwei Jahre zuvor geborenen Sohns David. Sie will wieder groß herauskommen und hat nun endlich die Gelegenheit, die inneren Kämpfe einer Dreißigjährigen darzustellen, die in Harmonie mit sich selbst lebt. „Der Swimmingpool“ wird ein Riesenerfolg und verhilft der Schauspielerin zum ersehnten Comeback.
Romy Schneider war ein Star. Von der Presse gefeiert, vom Publikum verehrt. Ihr Privatleben war jedoch von Schicksalsschlägen überschattet. Die Trennung von ihrer große Liebe Alain Delon führt zum Selbstmordversuch. Sie heiratet einen anderen und bekommt Sohn David. Doch diese Ehe hält nicht lange. Und auch ihre zweite, mit Daniel Biasini, bekommt einen Knacks und scheitert. Die Scheidungen betäubt die Schauspielerin mit Alkohol und Tabletten.
1981 wird die 43-jährige Romy Schneider mit akutem Nierenversagen in ein Pariser Krankenhaus eingeliefert. In dieser Krise schöpft Romy neue Kraft und Lebensmut. Gegen den Rat der Ärzte steht sie weiterhin vor der Kamera. Da verunglückt ihr Sohn David tödlich. Nur wenige Monate später, am Morgen des 29. Mai 1982, wird Romy Schneider leblos an ihrem Schreibtisch gefunden. Sie war eine der ganz großen deutschsprachigen Schauspielerinnen der Nachkriegszeit. Am 23. September 2010 wäre sie 72 Jahre alt geworden.
Serge Bromberg
»Romy - Die unveröffentlichten Bilder aus 'Inferno'"
Schirmer / Mosel 2010
ISBN-13: 978-3829604628
Tho