Beim Jahrgang 2010, der wahrscheinlich als das Festival der Gitarrenhelden in Erinnerung bleiben wird, übernimmt eine neue Generation von Musikerinnen und Musikern die Vorherrschaft bei der Erfindung neuer Musiken im Grenzbereich von Jazz und elektronischen Klängen. Festivalmacher Michalke hat dabei erneut ein ambitioniertes Programm auf die Beine gestellt und den Mut bewiesen, auch unbekannte Musiker und Bands nach Moers einzuladen. Aber auch bekannte Namen wie Peter Brötzmann oder Bill Frisell und dem Festival seit vielen Jahren verbundene Künstler wie der Gitarrist Fred Frith haben erneut den Weg nach Moers gefunden.
Wir alle sind es gewohnt, zu improvisieren. Doch Improvisation und schöpferische Kreativität bewusst zu präsentieren, das erfordert eine Plattform. Der Jazz, der sich über Pfingsten in Moers präsentierte, ist eigentlich eher eine Jazz-Mischform, die sich am Rande bewegt - mit größerer musikalischer Vielfalt: mit Terje Rypdal und der Bergen Big Band beispielsweise, oder mit Bill Frisell, erst im Trio und dann im Duo mit Arve Henriksen, und Fred Frith mit Costa Brava. Weitere Namen sind zum Beispiel der Saxofonist Peter Brötzmann mit seinem Chicago Tentet, die norwegische Sängerin Marie Kvien Brunvoll, das französisch-japanische Duo Donkey Monkey oder das Sextett Super Seaweed Sex Scandal. Und der junge Saxofonist Steve Lehman ist mit seinem in New York gefeierten Oktett war zum ersten Mal in Europa zu hören.
Meist ist es ruhig in Moers - meist. Es sei denn, der Jazz zieht auf die Wiesen des Schlossparks. Dann wird es richtig laut in der Stadt - und irgendwie eigentümlich. Seit den Anfängen im Schlosshof im Jahr 1972 treffen sich mittlerweile mehrere tausend Jazz-Fans und genießen die lockere, angenehme Atmosphäre im Park. Hier wird Musik gespielt, wie sie bis dahin nicht zu hören war. Ima Jahr 2010 erklären 14 000 Besucher Moers endgültig zum Pilgerort des Free Jazz und ist als ein selbstbewusster Aufruf weit über die Jazzkreise hinaus zu sehen. Ein echter Beweis, daß Jazz in Deutschland nicht alt und verstaubt, sondern jung, mutig und richtig gut ist.
Das Festival sieht aufgrund kommunaler Sparmaßnahmen schwierige Zeiten vor sich. Wegen finanzieller Engpässe wird das Festival Moers im Jahr 2011 von vier auf drei Tage reduziert. Am Pfingstmontag soll es ein kommerzielleres Musikangebot auf dem Festivalgelände geben. "Ich lege Wert, wieder auf die vier Tage zu kommen - wenn die Krise vorbei ist.", sagte Michalke, auf Kuvi-Anfrage.
Uta