Spiele unter Intendant Dieter Wedel, ein Flaggschiff der rheinland-pfälzischen Kulturszene, 2010 komplett ausfallen sollen. Die Krise hatte vielen Festivalveranstaltern schon im vergangenen Jahr zu schaffen gemacht: So mancher musste wegen mangelnder Spendierfreude der Unternehmen sein Programm zusammenstreichen. So fielen etwa bei dem renommierten "Palatia Jazz"-Festival in der Pfalz drei Konzerte aus, weil BASF und Schloss Wachenheim Sekt nicht mehr dabei waren. Auch das Klassikfestival "Mittelrhein Musikmomente" musste einzelne Konzerte streichen. Seitdem hat sich das Sponsoringgeschäft offenbar neu ausgerichtet - und die Veranstalter scheinen sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Jetzt gilt unter ihnen die Devise: Verhandeln ist schwieriger geworden, aber nicht unmöglich.
Die Sponsoren der Nibelungenfestspiele beispielsweise seien zwar "treu", sagt Sprecherin Liegmann: Zahlreiche Engagements stünden über Jahre hinweg fest. Dennoch räumt sie ein: "Natürlich muss der eine oder andere zu diesen Zeiten weniger geben." In diesem Jahr werden die Spiele nach Angaben von Geschäftsführer Sascha Kaiser zu rund 20 Prozent von Sponsoren finanziert - in guten Jahren waren es schon bis zu 35 Prozent.
Die Sponsorenlage sei eben "differenzierter" geworden, sagt Liegmann, viele Sponsoren überlegten sich genauer, wem sie wie viel und wie lange zusagen. "Klar ist, dass man um Sponsoren kämpfen muss", sagt Liegmann, und zwar in der Krise ein bisschen hartnäckiger als sonst.
Beim "Mosel Musikfestival" sehe es inzwischen besser aus als im vergangenen Jahr, sagt Wolfgang Bolle vom Festival-Organisationsteam. Man habe einen neuen Hauptsponsor für 2010 dazu gewonnen, der in zurückliegenden Jahren schon mit kleineren Summen dabei gewesen sei. Der Knackpunkt: Der Vertrag gilt nur für dieses Jahr. Ein weiterer Großsponsor wiederum habe sein Engagement zwar um rund 20 Prozent zurückgefahren, dafür habe er seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. Weitere Sponsorenverträge liefen in diesem Jahr aus und müssten neu verhandelt werden. Grund zum Optimismus gebe ihm, dass etwa eine sponsernde Bank ihr Engagement in diesem Jahr sogar erhöht habe.
Die Antikenfestspiele in Trier erlebten das erste harte Krisenjahr gar nicht mit: Dort fiel das Festival 2009 wegen inhaltlicher Querelen aus. Im Sommer 2010 stehen nun wieder klassische Dramen wie "Ödipus" und "Antigone" auf dem Plan. Verloren habe man trotz des Aussetzers keinen Geldgeber, erklärt ein Sprecher der Stadt. Doch auch er muss zugeben: "Die Sponsoren sind in der Krise verhaltener." Rund 15 Prozent des Etats komme von Sponsoren. Einzelne, die man konkret angefragt habe, hätten ihre Unterstützung erhöht. Trotzdem muss die Stadt Trier 2010 rund 80 000 € mehr zu den Festspielen als in den vergangenen Jahren dazugeben.
Der größte nichtstaatliche Kulturförderer in Deutschland, die Sparkasse, sieht sich auch in diesem Jahr mit zahlreichen Neubewerbungen um Sponsorengelder konfrontiert. Seit dem vergangenen Jahr lese man öfter in den Bewerbungsschreiben, dass andere Sponsoren abgesprungen seien, sagt Christiane Becker vom Sparkassenverband Rheinland-Pfalz. Die Sparkasse jedoch habe ein annähernd gleichbleibendes Budget für Kultur, 2009 waren es für Rheinland-Pfalz rund 8,4 Millionen Euro. Mit dem Geld sponsern der Verband und die Ortssparkassen auch fast jedes größere Festival im Land - natürlich auch die Nibelungenfestspiele. Das Budget für Worms habe man allerdings in diesem Jahr "angepasst", wie Becker sagt: schließlich sei ja auch das Festival kleiner geworden.
DDP