sollen sich in den siebziger und achtziger Jahren an mehreren Schülern vergangen haben. Die beiden Männer Peter R. (69) und Wolfgang S. (65) werden wegen sexueller Übergriffe beschuldigt. Bereits 1981 gab es Hinweise, dass zwei frühere Jesuiten-Padres Schüler missbrauchten. Die Verantwortlichen schauten allerdings weg. Sie setzten weiter die Männer an zahlreichen Schulen ein. Es gab Übergriffe in Hamburg, Göttingen, Hildesheim, Chile, Spanien und St. Blasien. Ihm seien bislang 25 Opfer bekannt, erklärte der deutsche Chef des Jesuiten-Ordens, Provinzial Stefan Dartmann am Montag. Er bedauere, was die Verantwortlichen damals an notwendigen Reaktionen unterlassen hätten und dankte den Opfern, weil sie trotz belastender Erinnerungen ihre Stimme erhoben hätten. Man habe jetzt eine Anwältin mit einer Prüfung beauftragt, "um festzustellen, was genau die Jesuiten damals wussten und welche Konsequenzen erfolgten.", so Dartmann weiter.
Die Schule gilt als eine der renommiertesten in Deutschland: Das Canisius-Kolleg im Berliner Bezirk Tiergarten. In der Affäre um den Missbrauch von Schülern dieser Schule des Jesuiten-Ordens werden immer schrecklichere Details bekannt. So wurde bestätigt, dass bereits 1981 Schüler des Canisius-Kollegs einen offenen Brief an den Jesuiten-Orden gesandt haben, in dem sie die "Sexualpädagogik" von Pater Peter R. als homophob anprangerten, wie Dartmann weiter sagte. Homosexuelle Jugendliche seien "schwerwiegenden Belastungen ausgesetzt" und würden beschuldigt, "widersittliche" und "unnatürliche" Auffassungen von Sexualität zu haben.
Der Rektor des Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, räumte ein, dass es in den achziger Jahren "versteckte Hinweise" auf die Missbrauchsfälle in dem Jesuiten-Gymnasium gegeben habe. Am Canisius-Kolleg herrscht große Unsicherheit. Einige Schüler erzählten, sie hätten erst durch die Zeitung von den Missbräuchen erfahren. Darüber hinaus gibt es bundesweit offenbar an mehreren Schulen und Einrichtungen, an denen die beiden beschuldigten Patres gearbeitet haben, Opfer sexuellen Missbrauchs. Ein ehemaliges Opfer des beschuldigten Religionslehrers Peter R. berichtete dem Magazin "SPIEGEL" von "mehreren, ausführlichen Gesprächen" im Jahr 1981 mit dem damaligen Rektor, in denen er ausführlich über die sexuellen Übergriffe ausgesagt habe.
Nach Mertes Angaben haben die beschuldigten Patres den Jesuitenorden verlassen. Juristisch muß die Lage erst geprüft werden: Alle Fälle sind offensichtlich verjährt. Zu den Ungereimtheiten gehört, warum sich das Kolleg nicht schon früher um Anschuldigungen und Gerüchte kümmerte.
Kein anderer Orden in der Geschichte löst so unterschiedliche Gefühle und Vorstellungen aus wie die Societas Jesu, die Jesuiten.
Ignatius von Loyola (1491 bis 1556) gründete den Orden 1534. Er verfolgte das Streben nach Heiligkeit durch innere Reinigung der Seele statt durch äußere Abtötung des Körpers. Ignatius lernte, seine eigene Seele zu lesen. Er schrieb alles auf, was er an sich selbst beobachtete und erarbeitete damit die erste Fassung der Ignatianischen Exerzitien, der bis heute praktizierten geistlichen Übungen der Jesuiten. "Mit seinen Exerzitien hat Ignatius für die Sühne und Reinigung der Seele zum ersten Mal eine Methode entwickelt und aufgeschrieben, die die mystische Erfahrung zu einem erlernbaren Prozess machte", erklärt Christian Herwartz, Jesuit und Exerzitienmeister aus Berlin. "Damit ist der erste 'dialektische Empiriker' der Mystik."
Die Jesuiten verzichteten auf die Gebundenheit an ein örtliches Klosterleben, sind generalstabsmäßig organisiert und leben in strenger Disziplin. Sie schufen die Grundlagen eines einzigartigen Bildungssystems in Europa, betrieben aber auch Machtpolitik als Beichtväter und Berater in den europäischen Königshäusern. Sie gelten als die Wächter des Christentums.
Tho