Dies konnte der routinierte Moderator bei seiner Premierensendung am Montagabend in seinem neuen alten Sender Sat.1 aber nur bedingt einhalten. Geboten wurde eine Ausgewogenheit an Themen, die vom Arbeitsrecht über die gewohnten Plattitüden des Berliner Comedians Mario Barth bis hin zu Grüßen aus dem Jenseits reichte. Doch wenn auch irgendwie von allem etwas dabei war, so mangelt es dem neuen Sat.1-Format nicht nur am «Johannes B.», es fehlt auch an substanziellen Inhalten.
Dabei fing alles so gut an. Obwohl Romy Büssow, die ehemalige Aldi-Angestellte, sich am Montag bei «Kerner» nicht zum ersten Mal an die Öffentlichkeit wandte, schien ihr Schicksal doch beispielhaft für den Druck, den Discounter-Ketten auf ihre Mitarbeiter ausüben sollen. Der serviceorientierte Nutzwert der Sendung, den Kerner ebenfalls im Vorfeld angekündigt hatte, wurde sogleich durch Büssows Anwalt und den Autor vom «Schwarzbuch Aldi» erbracht, die die Situation einordneten und bewerteten. Für konkretere Nachfragen stand am Stehpult auch ein Arbeitsrechtler zur Verfügung, der sich im Anschluss an die Sendung noch in einem Chat den Fragen der Zuschauer stellen wollte.
Neu sind bei «Kerner» auch die vor jedem Gespräch eingespielten Beiträge, die zwar teilweise langatmig, aber dennoch nah am Menschen sind. Dabei hält sich Kerner meist an das traditionelle Schema des Betroffenen, der erzählt, und an die Rolle des Experten, der bewertet.
So auch beim nächsten Thema, das sich dem Baustellenchaos auf deutschen Autobahnen widmete. Für das anschließende Gespräch mit einer genervten Autofahrerin und einem ADAC-Vertreter wurde eigens eine aufwendige Baustellenkonstruktion im Studio aufgebaut. Der Talk dazu gab aber nur die Fakten aus dem Beitrag wieder.
Nach der ersten Werbepause sollte schließlich Mario Barth für etwas Action und Entertainment sorgen. Leider ging auch dieser Teil der Show nicht über die üblichen Mann-Frau-Plattitüden des Comedians aus der Hauptstadt hinaus. So erzählte Barth von seinen Auftritten, seiner Stimmband-Operation und dem Urlaub mit seiner Freundin - und natürlich davon, was eine Frau an einer Tankstelle so alles falsch machen kann.
Zwar sollte das nächste verbraucherorientierte Thema zu Rechtsirrtümern mit einem komödiantisch heiteren Beitrag aufgelockert werden. Der zu lange Einspieler geriet jedoch schon nach wenigen Minuten zur Nervenprobe. Und während des anschließenden Expertengesprächs fing Mario Barth im Studio an, Steaks zu braten, um zu sehen, was die netto weniger wiegen als brutto.
Zum Schluss kam Pascal Voggenhuber. Der 29-jährige Schweizer konnte auf Kerners Nachfrage nicht nur die Zuschauer sehen, sondern auch noch die «ein, zwei Toten», die jeder im Publikum mitgebracht hatte. «Ich könnte aber eigentlich kaum zählen, wieviele Tote hier im Studio tatsächlich anwesend sind», meinte das Medium, das seit seinem vierten Lebensjahr Verstorbene sehen und mit ihnen kommunizieren kann.
«Die Themen waren richtig gesetzt», sagte Kerner nach der Sendung. «Wir wollten die Bandbreite von serviceorientierten über lustige bis zu mystischen Themen bieten», sagte der 44-Jährige, der sich als Moderator in der neuen Sendung kaum von seinem bisherigen ZDF-Format «Johannes B. Kerner» unterschied. «Ich habe nie gesagt, dass wir mit dieser Sendung das Fernsehen neu erfinden wollen», fügte er hinzu. Zu Quotenerwartungen wollte sich Kerner noch nicht äußern. Angesichts der starken Konkurrenz vom Parallelprogramm «Bauer sucht Frau», darf man gespannt sein, wieviele Menschen «Kerner» mit seinem neuen Mix erreichen konnte.
(ddp)
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