Religion. Die erste Spielzeit unter dem Kölner Intendanten Willy Decker, der Jürgen Flimm abgelöste, startete mit einer Gesprächsrunde zu "Moses und Aron" und einem Marianne Faithfull- Konzert aus der Reihe "Century of Song". Die Ruhrtriennale, weltweit gefeiertes Festival für Musik, Theater, Literatur und Tanz, wartet in ihrer 3. Ausgabe mit einer ganz speziellen Thematik auf. In dem dreijährigen Zyklus von 2009 bis 2011 will sie das «Spannungsfeld zwischen Kunst und Kreativität und dem Urmoment des Religiösen" erforschen. Dabei richtet sie 2009 ihren Blick auf den jüdischen Kulturkreis, dem Islam und Buddhismus.
Aufbruch
Decker gab in der Jahrhunderthalle bereits am Nachmittag einen Ausblick auf die Spielzeit. 30 Jahre lang hat der Regisseur und Buddhist Willy Decker an den angesehensten Opernhäusern der Welt gearbeitet, immer in der konventionellen Form des Guckkastentheaters. Decker ist leidenschaftlicher Opernregisseur. Die Oper "Moses und Aaron" von Arnold Schönberg inszeniert er selbst in der Jahrhunderthalle Bochum. Daran beteiligt sind internationale Solisten, die Bochumer Symphoniker und das ChorWerk Ruhr mit mehr als 100 Sängern. Die spektakuläre Zwölftonoper feiert am 22. August in der Bochumer Jahrhunderthalle Premiere und soll alles sprengen, was die Ruhrtriennale bislang zeigte. Weitere Werke, die sich mit der jüdischen Kultur beschäftigten, sind der "Hiob" von Joseph Roth sowie Texte von Franz Kafka und Gedichte von Else Lasker-Schüler. Neben Musiktheater, Schauspiel, Lesungen und Gesprächsrunden stehen auch wieder die "Junge Triennale" und die Reihe "Century of Song" auf dem Programm. Zu den bekanntesten Akteuren der diesjährigen Ruhrtriennale zählen u.a. Anna Netrebko, Massimo Giordano, Marianne Faithfull, Iggy Pop und Amos.
Marianne Faithfull - "Ohne mich hätten die Sixties gar nicht swingen können"
Seit 2002 ist sie nicht mehr in Deutschland aufgetreten, entsprechend gut besucht war ihr Auftritt in der Jahrhunderthalle in Bochum. Faithfull (62) ging die Sache gemütlich an. Schleppende Stücke, in denen der raue Charme ihrer Stimme so richtig zur Geltung kam. Aus jedem Wort sind die Ausschweifungen von damals zu hören. Gute 75 Minuten spielt sie, hat ein Notenpult an ihrer Seite, sie singt nicht immer, zuweilen doziert sie ihre Lieder und verpasst auch schonmal ihren Einsatz oder vergisst den Songtext. Souverän spielt sich die helfende Band in den Flow, bis die Frontfrau so weit ist. Ihr Tonumfang ist begrenzt, entsprechend eingeschränkt ist die Fähigkeit zur Variation. Dennoch steckt sie ganz in ihrer Rolle der Grande Dame, lächelt übersinnlich und verbirgt die Hände in den Taschen ihrer Hose. Bekannt wurde die britische Sängerin als 17-Jährige durch ihre Liaison mit dem Frontmann der Rolling Stones, Mick Jagger. Er und Keith Richards waren es auch, die der bildschönen jungen Frau 1964 mit "As Tears Go By" zu einem erfolgreichen Karrierestart verhalfen. Auf den lasterhaften Lebensstil, der mit ihrem Aufstieg einherging, folgte bald der Zusammenbruch: Drogenexzesse und ein Leben als Junkie auf den Straßen Londons. Doch sie fängt sich wieder. "Ich sah einen Engel", sagte der Produzent der Rolling Stones, nachdem er Marianne Faithfull begegnet war - und setzte hinzu: "einen Engel mit großen Titten". Der Anfangsmythos ihrer Karriere war eine Männerfantasie: sexy Engel, Heilige und Hure. Und es war der Beginn eines neuen, wilden Lebens für die erst 19-Jährige.
Die Ruhrtriennale ist ein einzigartiges Fest der Künste. Schauplätze des Festivals sind die herausragenden Industriedenkmäler der Region, wie die Zeche Zollverein in Essen, der Landschaftspark Duisburg-Nord, die Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck und die Jahrhunderthalle Bochum, die in spektakuläre Aufführungsorte verwandelt wurden. Bis zum 11. Oktober 2009 stehen insgesamt 30 Produktionen in 82 Vorstellungen in den Industriehallen in Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck auf dem Programm.
Tho