gesamten Bundesgebiet und sogar aus dem Ausland, teilte die Kölner Bürgerinitiative "Wir retten unser Stadtarchiv" mit. Bei den Freiwilligen handele es sich um Studenten, Archivare, Kunsthistoriker, Archäologen, Bibliothekare und Restauratoren. Auch Arbeitslose böten vielfach ihre Hilfe an. Die Kölner Feuerwehr sucht weiterhin nach einem zweiten Vermissten in den Trümmern. Bei der Suche haben Einsatzkräfte am Montag dessen Geldbörse und Jacke gefunden. Die Suche nach dem 24-Jährigen wird erschwert durch eine alte Fundamentmauer, die einzustürzen droht. Am Sonntag war ein junger Mann tot geborgen worden.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs könnte einen unersetzlichen kulturellen Schaden bedeuten: "Wir haben ein Riesenkulturgut in dieser Stadt teilweise verloren", beklagt der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma einen Tag nach dem Unglück. Das Ganze bedeute einen "nationalen Kulturgut-Verlust ersten Ranges", befürchtet der frühere Abteilungsleiter des Archivs, Eberhard Illner. Nach Auffassung des Kölner Kulturdezernenten Georg Quander könnte der Schaden noch größer sein als beim Brand in der Weimarer Anna-Amalia-Bibiliothek.
Nordrhein-Westfalens Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) äußerte die Hoffnung, dass viele alte und weltberühmte historische Urkunden geborgen werden könnten. Auf Grundlage eines Notfallplans sei mit der Bergung und Sicherung der unvergleichlichen Kulturschätze des Archivs begonnen worden. Etwa 20 Archivare und Restauratoren sind nach Grosse-Brockhoffs Worten dabei, Urkunden und andere Archivalien zu bergen. Das Einsturzgebiet wurde mit Planen abgedeckt, um die Dokumente vor Regen zu schützen. Parallel dazu werde geborgenes Archivgut in Gitterboxen verpackt und an andere Orte verlagert, sagte der Staatssekretär.
Der Kölner evangelische Stadtsuperintendent Rolf Domning wertete den Einsturz als "unwiederbringlichen schwersten Verlust für die kölnische Identität". Das Ausmaß des Schadens war 4. März 2009 noch unbekannt. Nach Auskunft des Kölner Kulturdezernenten Quander handelt es sich um 30 Regalkilometer mit kostbaren Handschriften, Plänen und Dokumenten, deren Versicherungswert bei 400 Millionen € läge. Eine solche Fülle sei bundesweit einzigartig. Das Kölner Historische Stadtarchiv beherbergte Originaldokumente aus mehr als 1000 Jahren Kölner und rheinischer Geschichte, darunter 65.000 Urkunden, mehr als 100.000 Karten und Pläne, 50.000 Plakate und eine halbe Million Fotos.
"Alles aus dem vorderen Teil des Gebäudes ist unter dem Schutt begraben", sagte Quander. Die größte Sorge bereite jener Teil der Archivgegenstände, der nun dem Grundwasser ausgesetzt sei. "Denn das Wasser zersetzt das alte Papier sofort." Für die sofortige Restaurierung von Dokumenten stehen den Angaben nach Landesrestauratoren in Düsseldorf und Münster bereit. Der frühere Archivleiter Illner erinnerte daran, dass Köln im Mittelalter die größte Stadt nördlich der Alpen gewesen sei. Im Magazingebäude hätten die Ratsprotokolle und Schreinsurkunden, "das Herzstück der Stadt", gelegen. "Das ist ein erstrangiges europäisches Rechtsdenkmal, das gibt es nicht noch einmal in der Welt." Als weitere Beispiele bedeutender Dokumente nannte Illner die Hanseurkunden und die Tristan-und-Isolde-Handschrift.
Der Deutsche Kulturrat hat an Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) appelliert, dem zerstörten Kölner Stadtarchiv zu helfen. Die Dokumente des Hauses hätten eine nationale Bedeutung, betonte Geschäftsführer Olaf Zimmermann am 5. März 2009 in einer Presseerklärung. Der Kulturrat erinnerte in diesem Zusammenhang an die Hilfe des Bundes beim Wiederaufbau der von einer Brandkatastrophe heimgesuchten Anna Amalia Bibliothek in Weimar.
Ver