britischen Fernsehen der Selbstmord eines schwerkranken Patienten zu sehen. Der ehemaligen Universitätsprofessors Ewert litt an einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit. Sein Körper war durch die Krankheit fast vollständig gelähmt. Er konnte nicht mehr eigenständig atmen und musste künstlich ernährt werden.
Während Medienwächter und Gegner von Sterbehilfe die Ausstrahlung der Dokumentation scharf kritisieren, verteidigt der Sender seine Entscheidung und verweist auf den lehrreichen Charakter des Films. Die Dokumentation gebe einen «informativen, gut verständlichen und lehrreichen Einblick in die Entscheidung, die manche Menschen treffen müssen», so eine Sprecherin von Sky Real Lives.
Die Bundesärztekammer hat die Fernsehübertragung eines Suizids in Großbritannien verurteilt. «Wenn das Sterben öffentlich inszeniert wird, verliert der Sterbende seine Würde», erklärte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, am 11. Dezember 2008 in Berlin. Auch eine TV-Dokumentation müsse da ihre Grenzen finden, wo die Individualität des Sterbens beginnt. Die Dokumentation war am 10. Dezember 2008 vom Sender Sky Real Lives ausgestrahlt worden. Hoppe appellierte an die Medien, Sterbehilfe nicht als «scheinbar ideale Handlungsanleitung zum Freitod zu inszenieren, sondern mehr über die Möglichkeiten der ärztlichen Sterbebegleitung zu informieren». Wenn medial dargestellt werde, dass Selbsttötung der vermeintlich leichtere Weg sei, dann werde das gerade für labile Menschen unverantwortliche Konsequenzen nach sich ziehen. Dem Menschen im Sterben die Würde zu bewahren, sei Aufgabe der Angehörigen und Ärzte, betonte Hoppe. Sterbende dürften nicht alleingelassen werden. Sie brauchten Zuwendung und Linderung ihrer Schmerzen. Hospiz und Palliativmedizin könnten das leisten, sagte der Ärztepräsident angesichts der Ausstrahlung des Beitrags «The Suicide Tourist».
Zaritskys Doku beginnt mit den Zeilen einer E-Mail, die Ewert an die Schweizer Sterbehilfeorganisation Dignitas schickt. Mit stockender Stimme zitiert Ewert selbst: «Ich sterbe. Es würde keinen Sinn machen, diese Tatsache zu leugnen. Mich überrascht, dass ich mich dabei so fühle wie sich die amerikanischen Einwanderer im 19. Jahrhundert gefühlt habe müssen: Ich befinde mich auf einer Reise, über deren Ziel ich nur vage Gerüchte gehört habe.»
Der im Nordosten Englands lebende Craig Ewert hatte im April 2006 erfahren, dass er unter einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit leidet, die seinen ganzen Körper lähmen wird. Innerhalb von zwei bis fünf Jahren werde er sterben, so die Prognose der Ärzte. Doch die Krankheit verlief schneller als befürchtet, innerhalb weniger Monate saß der gebürtige Amerikaner im Rollstuhl, konnte nicht mehr eigenständig atmen, seine Arme nicht mehr bewegen und musste künstlich ernährt werden.
Tho