Am Montag feierte der neue James-Bond-Film «Ein Quantum Trost» in Berlin Premiere. In der Nacht wurde einer der größten Premieren-Partys gefeiert,
die Sony Pictures jemals in Deutschland organisiert hat. Über 1300 geladene Gäste kamen ins Sony Center-Berlin. Draußen blieben weitere 2000 Fans um Stars wie Daniel Craid einmal Hautnah erleben zu dürfen. Da verblassten selbst Models wie Nadja Auermann, oder Produzent Bernd Eichinger und Star-Kamermann Michael Ballhaus. Sie waren alle wegen Craig in Berlin.
Fakt ist, im Land der Queen bricht «Ein Quantum Trost» alle Rekorde. So spielte der neue Bond-Streifen, nach der Weltpremiere, rund 6,2 Milllionen € an einem Freitagsauftakt ein und löste damit den bisherigen Rekordhalter «Harry Potter und der Feuerkelch» ab. Gemessen am Einspielergebnis von 475 Millionen Dollar ist «Casino Royale» der bislang erfolgreichste Bond-Film. Was für eine Ergebnis wird dann «Ein Quantum Trost» erzielen?
Gerührt oder geschüttelt – das ist die Frage. «Sehe ich denn so aus, als ob mich das interessiert?», antwortet Bond.
Eingefleischten Fans der Serie sollte klar sein: Die Ära des smarten Gentleman-Agenten 007 ist mit «Ein Quantum Trost» und seinem Vorgänger Casino Royale Vergangenheit. Wahrscheinlich hatte die Kritik eine ganz andere Ursache und sucht ihren Ursprung in der Männerwelt. «Hey, ich krieg jede Tussi». Leider geht Bond 2008 mit der Zeit und findet solche Typen samt Sprüche zum kotzen. Somit ist der traditionelle, männliche James Bond-Fan nun entgültig ausgestorben. Anti-Daniel-Craig-Internetseiten wie CraigNotBond.com gibt es nicht mehr und Nachahmer-Homepages stehen zum Verkauf. Daniel Craig ist anders als Sean Connery, Pierce Brosnan, Roger Moore und George Lazenby. Der neue Bond ist ein Typ, physisch enorm präsent, von herber Männlichkeit - und dennoch so verletzlich, das er Trost bracht.
Bond ist mehr No-Mainstream-Agent als dusseliger Agent ihrer Majestät. Rangordnungen intressieren ihn nicht. Luxusartikeln und kleine Helferlein sind notwendiges Beiwerk und genießen keine Aufmerksamkeit. Sogar die eigenen Leute misstrauen dem neuen Geheimagenten und seine Vorgesetzte M ist sich nicht sicher, ob die Majestät auf 007 setzen kann. Bond wird in Frage gestellt: «Kann ich Ihnen vertrauen?» fragt M. Der britische Ausenminister analysiert «Bond ist ausser Kontrolle». «Ich habe keine Freunde» antwortet Bond. In seinem neuesten Abenteuer muss Bond eine Rekordzahl von Schauplätzen bereisen, die allesamt austauschbar bleiben: Moskau, Bregenz, Bolivien, Haiti, Mexiko, Toskana, Siena.
Wobei dem Betrachter in Bregrenz eine filmische Delikatesse geboten wird. Für die Filmszene in Bregrenz wurden extra 1.500 Statisten im Alter von 18 bis etwa 70 Jahren eingesetzt. Grund: Im neuen Bond-Streifen geht 007 in die Oper und jagt seine Widersacher unter anderem in den monumentalen Kulissen der Seebühne. Für die Dreharbeiten haben die Bregenzer Festspiele lange vor Saisonbeginn im Juli eine komplette Aufführung von Puccinis «Tosca» arrangiert. Das Bühnenbild zeigt ein überdimensionales Auge. Bond liefert sich ein stummes Gefecht in den Gängen des Bregenzer Opernhauses. Ein Highlight in «Ein Quantum Trost»
Regisseur Marc Forster setzt wie sein Vorgänger Martin Campbell auf toughe Action, paart diese aber mit einer völlig neuen künstlerischen Ästhetik. Bond-Film Nummer 22 beginnt inhaltlich dort, wo Vorgänger «Casino Royale» vor zwei Jahren aufhörte. Bond will herausfinden, wer hinter dem Verrat an seiner großen Liebe Vesper steckt. Selbst das Bond-Girl Camille (Olga Kurylenko) hat eine ähnliche Motivation. So viel Verlust und Trauma wie in Ein Quantum Trost gab es noch nie. Dabei kämpft 007 wieder einmal für Gerechtigkeit und stößt auf einen mächtigen Geheimbund namens «Quantum». Inhaltlich ist der Film die Fortsetzung des ersten Bond-Abenteuers mit Daniel Craig in der Agentenrolle - allerdings ohne Rückblenden.
Craig perfektioniert den wortkargen, verletzlichen Bond, der sich so drastisch seinem Vorgängers Pierce Brosnan abhebt. «Ein Quantum Trost» ist für sich alleine genommen ein sehenswertes Action-Spektakel. Wer jedoch Casino Royale nicht kennt, sollte sich besser vorher die DVD ansehen. Allen anderen erschließt sich die ganze Story sonst nur schwer. Schnitte, raffinierte Montagen und ungemein physische, brutale Action. Atemlos hetzt 007 über Straßen, über Dächer, übers Wasser - Zeit zum Verschnaufen bleibt da kaum. Zeit zum Nachdenken jedoch genug. Denn am Ende ist Bond wieder der, den wir kennen: einer, der für England auf Tour ist und seine «Lizenz zum Töten» auslebt.
Fazit:
«Ich bin kein Action-Regisseur und es war nie ein Traum von mir, einen James-Bond-Film zu realisieren», sagte der Regisseur Foster. Das Foster- Quantum Trost bedeutet Action pur, Craig in pausenloser Bewegung, wuterfüllt, unsentimental und vollkommen cool-brutal. Das alles komprimiert auf leider nur 103 atemlose Minuten. Bilder wie in der Oper. Der neu Bond kann als das Kino-Highlight des Jahres bezeichnet werden. «Mein Name ist Bond. James Bond», ist nun Geschichte.
Am Donnerstag, 6. November läuft der neue James Bond Film «Ein Quantum Trost» in den deutschen Kinos an.
Großbritannien, USA 2008
Originaltitel: Quantum of Solace
Regie: Marc Forster
Mit: Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Giancarlo Giannini, Judi Dench, Anatole Taubman
FSK: ab 12
Länge: 103 min.
Wegen der Finanzprobleme des überschuldeten MGM-Studios ist die Produktion der 23. Bond-Folge gestoppt worden. Die Produzenten Michael Wilson und Barbara Broccoli verkündeten am Montag die Einstellung der Vorarbeiten.