James Bond «Ein Quantum Trost» feierte Weltpremiere
Großer Beifall für die Darsteller des neuen Bond-Films, Jubel für die beiden Prinzen William und Harry: London feierte am Mittwochabend die
Weltpremiere von «Ein Quantum Trost». Über den Roten Teppich schritt Bond-Hauptdarsteller Daniel Craig mit einer Schlinge, die er wegen einer Verletzung, an seinem rechten Arm trug. Wer seine Lieblingsgespielin sei, fragte ihn die Nachrichtenagentur PA auf dem roten Teppich: «Ich weiß nicht: Vielleicht die in meinem Arm.» Craig war mit seiner Lebensgefährtin Satsuki Mitchell nach London gekommen. Zu den geladenen Gästen in London gehörten neben den beiden britischen Prinzen auch die neuen Bond-Girls Olga Kurylenko und Gemma Arterton, Alt-Tennis-Star Boris Becker und Virgin-Boss Richard Branson sowie Schauspielerin Judi Dench.
Der neue Weg, den der Vorgänger betrat, wird konsequent weiter gegangen. Damit wird «Ein Quantum Trost» (Quantum of Solace) Bond-Geschichte schreiben. Schon deshalb, weil es die erste Fortsetzung in der Agenten-Reihe ist: In «Casino Royale» verlor 007 seine Geliebte Vesper Lynd, nun will er die Schuldigen zur Strecke bringen. Schnell findet er heraus, dass die Geheimorganisation Quantum für Vespers Tod verantwortlich ist. Bloss: Quantum ist so geheim, dass nicht einmal die Geheimdienste von ihrer Existenz wissen. Oder nicht wissen wollen: In einer Welt, in der erbittert um verbliebene Ressourcen gekämpft wird, gehen die Geheimdienste auch mit den Bösewichten ins Bett, wenn die eigene Nation dadurch profitiert. Bond ist nicht charmant, er ist kalt, hart und von einem unstillbaren Rachedurst angetrieben. Er tötet jeden, der sich ihm in den Weg stellt - kurz, er ist die perfekte Killermaschine und nutzt seine Lizenz zum töten aus, wie kein Bond zuvor. Daniel Craig spielt in «Ein Quantum Trost» den härtesten Bond aller Zeiten.
«Diese Geschichte ähnelt den anderen Abenteuern des Agenten 007 nicht und hebt sich von den anderen Erzählungen Flemings ab. Hier wird der Persönlichkeit des Helden und seinen Eindrücken mehr Aufmerksamkeit geschenkt als Spionagegeschichten», sagte der Produzent Michael Wilson. Laut Wilson hat Craig es geschafft, sämtliche seiner Vorgänger zu toppen. So erzählt Wilson in einem Interview britischen Radiosenders Heart Fm: «Er ist im Moment der beste Bond, und die Leute lieben ihn.»
Alte Traditionen werden über den Haufen geworfen. Der schon obligatorische Pistolenlauf-Vorspann wird nur am Ende des Streifens zu sehen sein. Wer eine Gänshaut bei Bonds legendären Spruch «Mein Name ist Bond, James Bond» bekam, wird sich andere Gefühlsmomente suchen müssen. So sagte Craig, «Wir haben den Satz zwar gedreht, für den neuen Film sei jedoch kein Platz für sowas.»
Sekretärin Moneypenny und der Ausrüstungsspezialisten Q finden bei James Bond keinen Platz mehr, die selbst von Craig vermisst werden. So schlug Craig in der britischen Zeitung «The Sun» vor, die beiden Rollen wieder einzuführen. In dem neuen Film fährt James Bond einen Range Rover und trinkt einen Cocktail, der nach Vesper, dem Bond-Girl aus dem Film «Casino Royale», benannt wurde. Das neue Bond-Girl ist das ukrainische Model und Schauspielerin Olga Kurilenko. Kurilenko spielte bereits in französischen und amerikanischen Filmen. Zu ihren bekanntesten Rollen zählen die Rolle des Vampirs in «Paris, je t'aime» und der Russin Nika Boronina in der Filmadaption des Computerspiels Hitman.
In der besten Szene des neuen Bond-Films liefert sich 007 ein stummes Gefecht in den Gängen des Bregenzer Opernhauses. Die Filmszene wurde kurz vor der Weltpremiere in Bregenz gedreht. Im Nachrichtenmagazin «News» hat der Schauspieler Daniel Craig seine Sorge über die österreichische politische Landschaft geäußert. Er kritisiert die populistische Politik von FPÖ und BZÖ. «Ich beobachte das ganz genau», zitiert das Blatt Craig, «wie wohl der Rest der Welt auch.» So habe es in der Vergangenheit Europas «etwas Fürchterliches» gegeben, «das die Welt für immer verändert hat», so Craig weiter. «Das darf nicht wieder passieren. '...' Sich hinter populistischer Politik zu verstecken, ist ein Weg zu extremistischer Weltsicht.»
«Ein Quantum Trost» ist mit einer Dauer von 106 Minuten der bislang kürzeste Bond-Film. «Casino Royale» hatte eine Länge von 144 Minuten. In Deutschland hat «Ein Quantum Trost» am kommenden Montag in Berlin Premiere, zu der auch Craig und Kurylenko erwartet werden.
Wegen der Finanzprobleme des überschuldeten MGM-Studios ist die Produktion der 23. Bond-Folge gestoppt worden. Die Produzenten Michael Wilson und Barbara Broccoli verkündeten am Montag die Einstellung der Vorarbeiten.