Akrobatik, Parodie, Slapstick, Gewalt, politischer Manifestation und Poesie.
Die Auseinandersetzung mit Mozart und seiner Musik führt Alain Platel zum archaischen Mutterkonflikt, zum Unterschied zwischen Rohem und Gekochtem, zwischen Wildnis und domestiziertem Leben, zwischen unbehauener Lebensgier und kultivierten, gebändigten Lebensentwürfen. Platel entwirft ein Vorstadtszenario. In einer heruntergekommenen Shopping-Mall flanieren 15 Tänzer und Sänger, unter ihnen zwei Gehörlose und eine Luftakrobatin aus dem Cirque du Soleil. Sie spielen Liebe und Hass und ihre politischen Statements zur Welt- und Kriegslage, gerieren sich als prügelnde Street-Gang, Drag-Queens und Barschlampen. Über allem - hinter Gittern - ist das Orchester postiert. Darunter befindet sich ein weiterer Zwinger, in dem ein Hunderudel untergebracht ist.Sylvain Cambreling hat zusammen mit dem Klangforum Wien sowie drei Sängerinnen die musikalische Einrichtung nicht allein auf die Auswahl von Orchesterstücken, von Konzert- und Opernarien der späten Schaffensperiode Mozarts beschränkt, sondern sie kompositorisch bearbeitet: "Lassen wir Mozart, was ihm gehört: das Erhabene, die Sanftheit, die Melancholie, den Humor, die Tiefe, die Einfachheit, die Kühnheit. Warum also versuchen zu erneuern, was nicht verbraucht ist? Meine Liebe zu Mozart ist es, die mich dazu berechtigt, mit ihm zu spielen", so Sylvain Cambreling. Mit tatkräftiger Unterstützung der Choreografin Gabriela Carizzo und des Bühnenbildners Bert Neumann haben Cambreling und Platel ihre zeitgenössische Variante eines musikalisch-tänzerisch-akrobatischen Multitheaters entwickelt. Entstanden ist ein diversifiziertes Mozart-Bild, das sich aus musikalischen Stimmungen und dazu agierenden Bühnenfiguren facettenreich in neue Dimensionen ausdehnt.
Der Regisseur Peter Schönhofer hat aus dem aufgenommenen Material eine Fernsehfassung erarbeitet, die weit über die Wirkung der Vorstellung hinausgeht. Das Geschehen wird in eine Filmdramaturgie überführt und erhält durch den Einsatz filmischer Effekte zusätzliche erzählerische Kraft und Intensität.
Alain Platel, 1956 geboren, studierte neben Choreografie- und Tanz auch Psychologie und Pädagogik in Gent. Er arbeitete nicht nur als Tänzer, sondern auch als Therapeut für behinderte Kinder, ehe er 1984 in Gent "Les Ballets C. de la B." gründete. Mit der Produktion "Bonjour Madame" wurde er international bekannt. Platel leitet außerdem Workshops zum Tanztheater und arbeitet an Video- und Filmprojekten mit.
Darsteller/Regie:
Regie: Peter Schönhofer
Mitwirkende/Gäste:
Mit folgenden Mitwirkenden:
Alexandra Zamojska
Franck Chartier
Gregory Kamoun Sonigo
Ingela Bohlin
Juliana Neves
Klangforum Wien
Kurt Vanmaeckelberghe
Lise Estaras
Marina Comparato
Michael Lumana
Necati Köylu
Quan Bui Ngoc
Raphaelle Delaunay
Samuel Lefeuvre
Serge Aimé Coulibaly
Serge Vlerick
Simon Rowe
Sonstige Angaben:
Inszenierung: Alain Platel
Samstag, 2.4.05
22.35 - 00.45 (130 min.)
arte
Wolf
Oper
Uta