SS-Wachmannschaft zu singen. Eine mündliche Verhandlung über entsprechende Behauptungen des Autors Volker Kühn soll es am 25. November vor dem Berliner Landgericht geben. Johannes Heesters, der am 5. Dezember 105 Jahre alt wird, klagt «auf Widerruf und Unterlassung der Bezichtigung, er sei im KZ Dachau aufgetreten», so Heesters Anwalt Gunter Fette.
Der Berliner Kabaretthistoriker Volker Kühn hatte auf seiner Hörbuch-CD «Hitler und die Künstler» diese Aussagen veröffentlicht und mit angeblicher Zeugen belegt. Heesters habe den Besuch selbst nie bestritten. Dies wurde auch in der großen Heesters-Ausstellung 2006 in der Berliner Akademie der Künste dokumentiert. Eine «Sondervorstellung» für die KZ-Mannschaft habe Heesters jedoch nie gegeben. Gesungen hat er dort nach eigenen Angaben nicht.
«Heesters war im Mai 1941 einer Einladung des KZ-Kommandanten Piorkowski gefolgt, gemeinsam mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters das Konzentrationslager Dachau zu besuchen, hatte aber Zeit seines Lebens abgestritten, bei dieser Gelegenheit vor der SS gesungen zu haben. '...' Neuere Forschungen haben dagegen ergeben, dass es sehr wohl einen solchen Heesters-Auftritt gegeben hat», teilt der Berliner Musikverlag duo-phon in einer Pressemitteilung mit.
Der Berliner Kabaretthistoriker Volker Kühn beruft sich auf Zeugenaussagen, die einen Heesters-Auftritt vor der SS belegen sollen. Nach seinen Angaben soll der bereits verstorbene Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka, der damals Häftling in Dachau war, bei Heesters Auftritt den Vorhang hochgezogen haben.
Johannes Heesters wurde am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geboren. Berühmt wurde er in der Rolle des Grafen Danilo in der Operette «Die lustige Witwe» von Franz Léhar, die er rund 1.600 Mal sang. Zum Leinwandstar wurde er durch Filme wie «Der Bettelstudent» (1936) mit Marika Rökk oder «Das Hofkonzert» (1936), die von der Ufa während des Zweiten Weltkrieges produziert wurden. Diese Auftritte stellten zwar seinen Ruf als unabhängiger Künstler in Frage, aber zahllose Bühnenauftritte bis ins hohe Alter bestätigten seine ungebrochene Popularität. 1992, elf Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, heiratete er die 46 Jahre jüngere deutsche Schauspielerin Simone Rethel.
Heesters war Hitlers Lieblingsschauspieler und einer der fleißigsten Stars der Ablenkungsfilme jener Jahre. Während des Zweiten Weltkrieges entstanden Filme wie, («Rosen im Tirol», «Es fing so harmlos an»). Mit dem Film wie «Immer nur Du» aus dem Jahr 1941, ein typischer Revuefilm mit viel Musik und wenig Handlung, unterhielt Heesters die kriegszerrüttete Nation. Im Mai des gleichen Jahres hatte er auch das KZ Dachau besucht. Das Heesters Deutschland nicht verließ, nahmen ihm vor allem seine niederländischen Landsleute übel. Mitte Februar 2008 trat Heesters nach mehr als 40 Jahren wieder in seinem Heimatland, in seiner Geburtsstadt Amersfoort, auf. In den 1960ern war er von der Bühne in Amsterdam verjagt worden.
Tho