von Heinrich Heine, das seit über 100 Jahren als verschollen galt.
150 türkische Verlage vertreten auf der Frankfurter Buchmesse das diesjährige Gastland. Auch bei der feierlichen Eröffnung drehte sich alles um die Türkei. Die Meinungsfreiheit in der Türkei sei immer noch durch zahlreiche Gesetze eingeschränkt, kritisierte Amnesty International anlässlich des Messeauftakts. Ethnische und religiöse Minderheiten würden unterdrückt, sexuelle Minderheiten diskriminiert und schikaniert.
Zum Auftakt der 60. Frankfurter Buchmesse haben Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk mangelnde Meinungsfreiheit in der Türkei beklagt. Literaturnobelpreisträger Pamuk kritisierte, dass der türkische Staat weiterhin Bücher verbiete und Schriftsteller bestrafe.
«Wir Türken haben uns in den letzten hundert Jahren so missverstanden gefühlt, dass wir aus dieser Einstellung geradezu einen Teil unseres Selbstverständnisses beziehen. Von den anderen nicht anerkannt zu werden, ist für die meisten von uns nachgerade ein Beweis für die Originalität und die Substanz unserer Kultur und Literatur. '...' angesichts der Tatsache, dass Hunderte von türkischen Schriftstellern und Verlegern nach Frankfurt gekommen sind, um sich von hier aus der ganzen Welt zu präsentieren, wir uns wohl dürften auch von dem Gefühl des Unverstandenseins ein Stück weit befreit haben», so der Autor. «Der Hang des türkischen Staates, Bücher zu verbieten und Schriftsteller zu bestrafen, hält leider immer noch an. Aufgrund des Paragraphen 301 des türkischen Strafrechts, mit dem man Schriftsteller wie mich einzuschüchtern versucht, werden Hunderte von Schriftstellern und Journalisten gerichtlich belangt und verurteilt.»
«Die Türkei hat sich auf den Weg gemacht zu einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft», sagte der Außenministers Frank-Walter Steinmeier am Dienstag bei der Eröffnung der 60. Frankfurter Buchmesse. Steinmeier forderte zugleich einen «Mentalitätswechsel» bei der Meinungsfreiheit. «Hier hat die Türkei noch ein Stück des Weges vor sich.» Deutschland müsse das Land dabei unterstützen und verwies auf eine geplante deutsch-türkische Universität in Istanbul. Die Buchmesse könne beim Brückenschlag zwischen den Kulturen helfen. Angesichts der Finanzkrise warnte Steinmeier davor, den Menschen auf den «homo oeconomicus» zu reduzieren. «Wer nur noch kurzfristige Rendite zum Maßstab des Wirtschaftens macht, verliert jedes Maß und endet in Maßlosigkeit.» Die Buchmesse sei eine gut Gelegenheit zu zeigen, wie eine gerechte und friedliche Ordnung in Europa aussehen könne.
Heinrich Heine Manuskript
Der Verlag Hoffmann und Campe stellte am Mittwoch ein im Juni 1832 handgeschriebenes Manuskript von Heinrich Heine in Frankfurt vor. Der Text galt seit über 100 Jahren als verschollen und umfasst 40 Seiten. Der Heine- Artikel sollte damals in der Tageszeitung «Allgemeine Zeitung» erscheinen. Aus Angst vor der Zensur habe der damalige Verlag auf den Abdruck verzichtet, berichtete der Verleger.
Friedenspreis wird am Sonntag verliehen
Im Rahmen der Buchmesse wird am 19. Oktober in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Der Preisträger dieses Jahres ist der Bildhauer Anselm Kiefer. Am Montag hatte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bereits den Schriftsteller Uwe Tellkamp mit dem
Deutschen Buchpreis 2008 für seinen Roman «Der Turm» ausgezeichnet.
Zur 60. internationalen Buchmesse werden bis Sonntag rund 280.000 Besucher erwartet. Ein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf digitalisierten Büchern. Für Privatbesucher ist die Messe am Samstag von 9 bis 18.30 Uhr geöffnet und am Sonntag von 9 bis 17.30 Uhr. Eine Tageskarte einschließlich des Nahverkehrstickets kostet zwölf Euro, für Schüler sechs Euro.
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