Die studierte Germanistin und Theaterwissenschaftlerin Elke Heidenreich stehe seit Jahrzehnten für die Verbindung von Hochkultur und geistreicher Unterhaltung und mache so anspruchsvolle Themen einem breiten Publikum zugänglich, so die Begründung der Jury.
SWR-Intendant Peter Boudgoust bezeichnete Heidenreich als eine Dolmetscherin zwischen Hochkultur und Populärkultur. Sie sei eine Grenzgängerin zwischen dem gedruckten Buch und den elektronischen Medien, Radio und Fernsehen. Die Laudatio auf die Preisträgerin hat der ehemalige Bundesminister und CDU-Generalsekretär Dr. Heiner Geißler gehalten.
Heidenreich riet Reich-Ranicki bei der Preiverleihung, nicht mit dem Showmaster Thomas Gottschalk am kommenden Freitag über die Qualität des Fernsehens zu diskutieren. Auch in ihrer Rede zeigte Heidenreich erneut Verständnis für den Literaturkritiker und Kollegen Marcel Reich-Ranicki, der am letzten Samstag
den Deutschen Fernsehpreis nicht annahm. Reich-Ranicki solle sich mit Programmdirektoren und Intendanten treffen, statt mit Gottschalk zu diskutieren, so Heidenreich weiter. Sie hofft weiterhin, das ihre Sendung «lesen!» um 21 Uhr abends statt erst um 22.30 Uhr ausgestrahlt wird. Die Moderatorin hatte Reich-Ranicki am Montag in der «FAZ» verteidigt und die Gala zum Deutschen Fernsehpreis
kritisiert. Auch hat sie ihren Job beim ZDF zur Disposition gestellt.
Elke Heidenreich, 1943 geboren, ist seit 1970 freie Mitarbeiterin bei Radio und Fernsehen. Sie verfasste Fernsehdrehbücher u.a. für Serien wie «Tour de Ruhr» (WDR) oder «Dreifacher Rittberger» (BR) und moderierte verschiedene Talkshows, etwa «Leute» (SFB) und «Live aus der Oper» (ZDF). Ihre ersten TV-Erfahrung machte Elke Heidenreich in den 70er Jahren beim damals gerade gestarteten Programm des SWF3. Der Durchbruch als Moderatorin gelang ihr 1981, als sie in Alfred Bioleks Talkshow «Kölner Treff» einsprang und die Zuschauer mit ihrer respektlosen Art begeisterte.
Seit Ende April 2003 stellt die beliebte Moderatorin in ihrer ZDF-Literatursendung «Lesen!» Bücher vor. Mittlerweile widmet sich Elke Heidenreich vorwiegend dem Schreiben. 1992 erschien ihr erster und erfolgreicher Erzählband «Kolonien der Liebe». Es folgten ihr Kinderbuchdebüt «Nero Corleone» (1995) sowie die Titel «Am Südpol, denkt man, ist es heiß» (1998) und die autobiographisch inspirierte Geschichte «Sonst noch was» (1999). Ihre letzten Bücher «Die Liebe. Eine Erzählung» und «Eine Reise durch Verdis Italien» sind 2008 erschienen.
Heidenreich gehörte zu den Autoren, die den 20. März anlässlich des 3. Jahrestages der US-Invasion in den Irak weltweit zum »Tag der politischen Lüge« ausriefen. Sie spielte in dem Kinofilm «Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino» als Nachrichtenoffizier Helma Krap mit und arbeitet als Synchronsprecherin. In dem Cicero «Frauen-Ranking 2008» wird Elke Heidenreich als die «einflussreichste deutsche Intellektuelle», noch vor der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer und Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek beschrieben.
Foto: Palladio Film Hei