Trotzdem hat man schon jetzt im Gefühl, die Spiele sind in vollem Gange und es wird von nichts anderem mehr geredet. Mehrere zehntausend ausländische Studenten in China müssten wegen der Olympischen Spiele in Peking ihr Land verlassen. Im Juli und August müssten alle ausreisen, bestätigten mehrere Universitäten in Peking und Yulian Wu, die für Kuvi während der Spiele berichten wird. Sportler dürfen nicht einreisen, weil sie mit Tibet sympathisieren. Kritische Internetseiten können aus China nicht abgerufen werden.
Die Deutschen sehen den Olympischen Spielen mit gemischten Gefühlen entgegen. Angesichts des Vorgehens Pekings gegen die Proteste in Tibet und der jüngsten Maßnahmen zur Behinderung der Medienberichterstattung hält eine Mehrheit der Bundesbürger (56 Prozent) die Vergabe der Spiele nach China für einen Fehler.
Kurz vor Beginn der Olympischen Spiele hat Amnesty International eine kritische Bilanz der Menschenrechtslage im Gastgeberland China gezogen. «Die chinesische Regierung hat ihr Versprechen gebrochen, die Spiele für die Verbesserung der Menschenrechte zu nutzen», sagte der deutsche China-Experte der Organisation, Dirk Pleiter.
Dennoch kann sich die kommunistische Regierung im Glanz der anwesenden Staatsgäste und dem Jubel von 15.000 Komparsen, 10.000 Sportlern und 90.000 Gästen sonnen. Während aber Angela Merkel oder Gordon Brown fehlen, werden neben Bush, Nicolas Sarkozy, der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva oder die Regierungschefs Australiens und Russlands, Kevin Rudd und Wladimir Putin die Feier genießen und applaudieren. Staats- und Parteichef Hu Jintao versprach einen neuen Anlauf zu Reformen in Politik und Wirtschaft. Die Initiative kommt spät. US-Präsident George W. Bush will bei seinem Besuch die schlechte Menschenrechtsbilanz kritisieren.
Parallel zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking soll heute eine Demonstration vor der chinesischen Botschaft in Berlin stattfinden Zum Protest aufgerufen hat der Verein Reporter ohne Grenzen. Es solle auf Chinas gebrochenes Versprechen, mehr Presse- und Meinungsfreiheit zuzulassen, aufmerksam gemacht werden, teilte eine Sprecherin mit. Gefordert werde ein Ende der Nachrichten- und Internetzensur, die Freilassung der rund 80 inhaftierten Journalisten und Internetdissidenten sowie ungehinderte Recherche für ausländische Medienvertreter. Mit dabei auch Vera Vitte aus der Kuvi-Redaktion. Der Verein will um 13.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit auf der Jannowitzbrücke in Mitte demonstrieren. Ähnliche Protestaktionen plant die Menschenrechtsorganisation zeitgleich vor den chinesischen Vertretungen in Brüssel, London, Madrid, Montreal, Paris, Rom, Stockholm und Washington.
Auch Sportler lassen sich keinen Maulkorb aufsetzen. «Der Gastgeber der Spiele verletzt die Idee des olympischen Gedankens und verstößt gegen die Menschenrechte», begründete die 27-Jährige Yvonne Bönisch, Judoka aus Berlin ihren Verzicht auf die Eröffnungszeremonie. Als erste deutsche Judoka könnte das Leichtgewicht aus Potsdam am Montag zum zweiten Mal olympisches Gold gewinnen.
Wenn heute die Olympischen Spiele eröffnet werden, wird Kuvi hinter die Kulissen sehen und darüber berichten. Auf Kuvi können Sie von Anfang an dabei sein - mit dem Olympia-Special.
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