Bocholt. Der Kabarettist Hagen Rether ist am 24. September 2011 im ausverkauften Bocholter Stadttheater mit dem Nordrhein- Westfälischen- Kleinkunstpreis «Bocholter Pepperoni» ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 15000 Euro dotiert und gilt als eine der sechs renommiertesten Kleinkunst- Auszeichnungen in Deutschland.
Laudator war der Kabarettist Christoph Sieber, dem im Jahr 2009 die Bocholter Pepperoni verliehen worden wr.
Sieber gab "sein Amt als oberste Pepperoni schweren Herzens ab - nicht weil er besser ist als alle Anderen, sondern viel besser als alle Anderen" und fügte hinzu "wenn er wenigstens ein Arschloch wäre - aber nein - er ist nett und sympatisch."
Schnarchend beginnt der in Essen lebende 41-jährige Künstler Hagen Rether sein sich ständig erneuerndes Programm "Liebe" und liefert sofort Ausgekochtes: "Was wäre Bocholt ohne die Bühne Pepperoni - das wäre Borken"!
Sein Programm "Liebe" ist eine satirische "Sesamstraße" und Spiegelbild unserer Gesellschaft, die "von Schlümpfen regiert wird". In seiner globalisierten Welt sind Entscheidungen und Fragen wie, was muß ich "fressen" um im Gesicht, wie ein Schinken auszusehen - folgenschwerer als seine Biobananen, die in extra mit Rapsöl betankten Flugzeugen eingeflogen wurden. "Die kriegen alles raus!" Auch das dem gemeinen Volk beim Fernsehen das Denken verboten wurde. Deshalb schaut Rether eben mit den anderen 0,2 Prozent der Bevölkerung nachts Arte und Phönix. Da finden die all das heraus, was der CIA eventuell doch durch die Lappen gegangen ist.
"Die kriegen alles raus!"
Neulich z.B. "haben sie rausgekriegt, dass die Merkel ein Dekollte hat", sagt er in Anspielung auf Fotos von der Kanzlerin. Abgebrüht und gnadenlos serviert Hagen Rether sein kompromissloses, ausgekochtes, politisches Kabarett. "Die haben jetzt rausgekriegt, dass Atomkraft gefährlich ist. Das haben wir ja schon vor 25 Jahren in Erdkunde gelernt." Rether orientiert sich nicht am Tagesaktuellen, sondern an den größeren Zusammenhängen unseres weltpolitischen Stumpf- und Wahnsinns, in dem wir leben.
Er neigt zur nonchalanten Kompromisslosigkeit. Wenn er mit sanften Worten seine Sicht zu aktuellen politischen Debatten darlegt, bleibt einem das Lachen schon mal im Halse stecken. Gut drei Stunden dauerte Rethers Soloprogramm "Liebe" am Samstagabend. Eine Banane essen, dann und wann ein Statement von sich geben, eine launige Frage stellen. Rether greift wie beiläufig in die Tasten, natürlich gekonnt minimalistisch - Variationen von "Alle meine Entchen". Hagen Rether putzt zwischendurch den Flügel, legt Bananen ab und hält ein Nickerchen auf dem Instrument, trinkt ein Schlückchen, dann noch eins.
Die Doppelmoral von Politikern, Wirtschaftsbossen und in der katholischen Kirche sind und bleiben seine Lieblingsziele. Der Papst, "dieser heilige Bimbam", schmerzt ihn besonders. Ebenso sind es Religionen wie die vom Dalai Lama, "dem Peter Lustig für enttäuschte Christen".
Hagen Rether, mit Preisen hochdekorierter Kabarettist am Klavier, tarnt sich als Charmeur. Geradezu gelassen legt er offen, wie die Ungerechtigkeiten der Welt funktionieren. Dabei bleibt keiner verschont. Wütend ist er und kann es doch verbergen, indem er mit der Verlangsamungstaktik die Aggression und Verärgerung in seinen Worten entwaffnet. Nicht alles ist zum Mitlachen - nachdenklich macht das aber die meisten Zuschauer allemal.
"Alles kriegen die raus!"
Hagen Rether spendet seine 15000 € Preisgeld der Organisation "Medica Mondiale", die sich weltweit für durch sexualisierte Kriegsgewalt traumatisierte Frauen einsetzt.
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