aus dem In- und Ausland bereiteten ihm einen herzlichen Empfang. Schon Stunden vor dem Beginn des Pontifikalamtes hatten etwa 3500 Menschen vor dem Paulus-Dom Schlange gestanden. Aus dem voll besetzten Dom wurde das Pontifikalamt per Video in zwei weitere Kirchen übertragen. Wer dort keinen Platz mehr bekommen hatte, wartete vor der Kathedrale.
In seiner mit Applaus bedachten Predigt vor sagte Genn, die Kirche sei keine Agentur für Werte und Sinnfragen. Ihre Aufgabe sei, den Menschen Jesus nahezubringen. "Menschen zu helfen, Jesus kennen zu lernen", sagte Genn. "Von ihm her ergibt sich alles Weitere." Die Kirche sei "nicht in erster Linie eine Agentur für Werte und Sinnfragen", sondern "zuerst Verweis auf Jesus, Ort seiner Gegenwart und der Gemeinschaft mit ihm".
Erzbischof Jean-Claude Perisset, überreichte Genn beim Festgottesdienst im Sankt-Paulus-Dom die päpstliche Ernennungsurkunde. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte Genn einen «Missionsreisenden im besten Sinne» und spielte auf sein bisheriges Wirken in den Bistümern Trier und Essen an. Ein Bischof müsse den Mut haben, «das rechte Wort zur rechten Zeit zu sagen», so Zollitsch. Nach der Predigt wurde er von zahlreichen Gläubigen in feierlicher Prozession in den Ludgerusdom begleitet. Nach einem stillen Gebet Genns an dem Ort, wo der münstersche Bistumsgründer vor 1.200 Jahren starb, feierte Diözesan-Administrator Weihbischof Franz-Josef Overbeck die Vesper.
Zahlreiche Würdenträger kamen nach Münster, um dem neuen Bischof zu gratulieren; darunter auch Bischöfe aus Mexiko, Kanada und der Ukraine sowie Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Rüttgers betonte in seinem Grußwort, dass Genn stets den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Bei seiner ersten Pressekonferenz in Münster unterstrich Genn, dass es Aufgabe der Kirche sei, die Identität der Menschen zu stärken. Statt sich zu zerstreuen, müssten die Christen sich sammeln, um Kraft zu gewinnen für die Sendung in die Welt. Wenn innere Stärke vorhanden sei, brauchten sich die Christen vor nichts zu fürchten - auch nicht davor, dass "das kirchliche Leben zahlenmäßig zurückgeht".
Genn ist mit seiner Berufung der 75. Nachfolger des Heiligen Liudger. Dieser hatte das Bistum Münster im Jahr 805 gegründet. Heute ist Münster mit mehr als zwei Millionen Katholiken die drittgrößte der 27 deutschen Diözesen. Das Bistum erstreckt sich über Teile von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Geografisch reicht es vom Raum Kleve am Niederrhein im Südwesten bis hin zu den ostfriesischen Inseln im Norden.
Geboren am 6. März 1950 in Burgbrohl, wuchs Felix Genn in Wassenach am Laacher See auf. Seiner Eifeler Heimat fühlt sich der Ruhrbischof bis heute verbunden. Nach dem Abitur in Andernach und dem Theologiestudium in Trier und Regensburg wurde Genn 1976 zum Priester geweiht. Erste Erfahrungen in der Seelsorge sammelte er zwei Jahre als Kaplan in Bad Kreuznach. 1978, im Alter von 28 Jahren, wurde er Subregens am Bischöflichen Priesterseminar in Trier und 1985, nach seiner Promotion zum Dr. theol. mit einer Arbeit über den heiligen Augustinus, Spiritual und war damit für die geistliche Begleitung und Ausbildung der Priesteramtskandidaten zuständig. Von 1994 bis 1997 nahm Genn einen Lehrauftrag für Christliche Spiritualität an der Theologischen Fakultät Trier wahr. Einen Namen weit über die Grenzen seines Heimatbistums hinaus machte er sich 1996 als Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt. Unter seiner Leitung wurde die traditionsreiche Pilgerfahrt zu einem besonderen geistlichen Ereignis, an der rund 700.000 Menschen teilnahmen. 1997 erfolgte seine Ernennung zum Regens am Studienhaus St. Lambert in Burg Lantershofen. Am 16. April 1999 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularbischof von Uzalis und bestellte ihn zum Weihbischof im Bistum Trier. Am 30. Mai desselben Jahres weihte ihn der Trierer Bischof Hermann Josef Spital zum Bischof. Von diesem Zeitpunkt an war er für den Visitationsbezirk Saarland zuständig. Es war ebenfalls Papst Johannes Paul II., der ihn am 4. April 2003 zum Bischof von Essen ernannte. Am 6. Juli 2003 wurde er auf dem Burgplatz feierlich in sein Amt eingeführt. Im Zuge der finanziellen Sanierung des Bistums wurde unter Genn 2005 ein Zukunftskonzept für das Bistum vorgestellt. Bis zum Ende des Jahres 2008 wird es im Ruhrbistum nur noch 43 Pfarreien mit 7.500 bis 40.000 Katholiken geben; in diesem Prozess werden 96 Kirchen geschlossen. Außerdem wurde das Generalvikariat erheblich verkleinert und die gesamte «Mittlere Ebene» aufgelöst.
Am 19. Dezember 2008 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. nach der Wahl des münsterischen Domkapitels als Nachfolger von Bischof Reinhard Lettmann zum Bischof von Münster. Bis dahin leitete er das Bistum Essen noch mit den Rechten und Pflichten eines Diözesanadministrators.
Hei