26. September 2009
Jugendliche und auch Erwachsene verfallen aktuellen Studien zufolge der Online-Spielsucht. Besonders Zeit fressende Rollenspiele wie «
World of Warcraft» (WoW) haben einen hohen Suchtfaktor, dem in Deutschland schon mehrere zehntausend Spieler zum Opfer gefallen sind.
Das Spiel arbeite mit einem ausgeklügelten Erfolgs- und Belohungssystem, erklärt der Suchtforscher Bert te Wildt von der Medizinischen Hochschule Hannover. Online kämpfen «Gilden» von jeweils einigen Dutzend anonymen Spielern gegen finstere, virtuelle Fabelwesen - nach dem Motto: Nur gemeinsam sind wir stark. Es sei der perfekte Beziehungsersatz, so Wildt. Das wirke unglaublich attraktiv gerade bei unglücklichen Menschen, die ihre bisherigen Misserfolge verdrängen und vergessen wollen.
Die wichtigsten Anzeichen bei einer Medienabhängigkeit sind der Kontrollverlust und dass die Leute nicht in der Lage sind ihr Spielverhalten oder Surfverhalten zu unterbrechen, sondern dass es immer weiter ausufert. Wer am Spielen gehindert werde, reagiere mit Entzugserscheinungen wie Aggressivität, Nervosität oder Unruhe. Es gibt heftige Reaktionen, wenn die Eltern versuchen, den Computer mal abzuschalten. Nach Angaben der Experten von der Uniklinik Mainz sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene von Computerspielsucht betroffen. 85 Prozent der Süchtigen seien männlich. Nach bislang vorliegenden Studien gelten drei bis vier Prozent aller männlichen Jugendlichen als computersüchtig. Die Elterninitiative «Rollenspielsucht.de» schätzt die Zahl der Betroffenen auf 1,5 Millionen Menschen bundesweit. Beim Zocker sind im Gehirn Veränderungen zu beobachten, wie sie auch bei Alkohol- oder Cannabisabhängigkeit auftreten.
Durchschnittlich 35 bis 40 Stunden pro Woche verbrächten Süchtige im Netz; im Vergleich zu den vier bis zehn Stunden der üblichen Nutzer, die online vor allem nach Informationen suchten. Den Begriff einer Internet-Sucht gibt es seit 1996. Doch bis heute stritten Wissenschaftler darüber, ob es sich dabei um eine eigenständige Störung handele oder eher um den Teil eines tiefliegenderen seelischen Problems. Als Krankheitsbild anerkannt sei eine Online-Sucht in Deutschland nicht. Wie Spielsucht oder Kleptomanie könne sie aber in die Kategorie der «Impuls-Kontroll-Störungen» eingeordnet werden.
Wissenschaftler der Klinik für Neurologie des Universitäts-Krankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE) haben eine der Grundlagen der Spielsucht im Gehirn aufgeklärt. Ähnlich wie bei anderen Abhängigkeiten wurde vermutet, dass der Spielsucht eine Veränderung des Belohnungssystems im Gehirn (Nucleus accumbens) zu Grunde liegt. Die Hamburger Wissenschaftler haben nun erstmals eine solche Veränderung nachgewiesen, hat das UKE mitgeteilt. Laut UKE sind weltweit 1,6 Prozent aller Menschen von Spielsucht betroffen.
Der süchtige Zocker will nur eines: spielen - obwohl er nicht spielt, um zu gewinnen, sondern um zu spielen. Doch aus dem Spiel wird schnell Ernst, wenn Spielen zur Sucht wird.
Ver