Aktionswochen Borken: Sucht hat immer eine Geschichte
Zahlreiche Vetreter aus den Bereichen Sozialarbeit, Politik und Schule eröffneten am Mittwoch im neuen Jugendhaus Borken die Sucht- Aktionswochen in
Borken. Zu diesem Thema werden rund 70 Veranstaltungen in Borken und dem nahen Umkreis stattfinden. "Suchvorbeugung geht uns alle an", so das Motto der NRW-Kampagne. Ungeachtet aller Appelle gefährden sich Millionen Menschen in Deutschland durch Zigaretten, Alkohol, Drogen und Medikamente. Die Zahl der Drogentoten ist nach einem historischen Tiefstand 2007 um 98 auf 1394 Menschen gestiegen, wie aus dem Drogen- und Suchtbericht 2008 hervorgeht. Mindestens jeder vierte junge Mensch in Deutschland ist nach Einschätzung von Experten suchtgefährdet. Bis zu fünf Millionen Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 25 Jahren konsumierten zu früh zu viel Alkohol und Drogen. In Vorträgen, Seminaren und Theateraufführungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden bei den Sucht-Aktionswochen in Borken über süchtiges Verhalten informiert, die persönliche Auseinandersetzung im Umgang mit dem Thema Sucht gefördert und Hilfen für Betroffene und Angehörige angeboten. Darüber hinaus wird aufgezeigt, wie man genießen, entspannen und Spaß haben kann, ohne zu legalen oder illegalen Drogen greifen zu müssen.
"Suchvorbeugung geht uns alle an" - Die Aktionswochen in Borken bis zum 27.September 2009 - Programm als PDF
Silke Morlang / Ginko-Stiftung
Je jünger der Konsument von Alltagsdrogen ist, desto größer ist das Risiko, abhängig zu werden - und das Einstiegsalter verlagert sich zu den Jüngeren hin. Das ist das Ergebnis einer neuen Jugendgesundheits-Studie. Der Konsum legaler Drogen im Jugendalter steigt. Die Gefahr von "Alltagsdrogen", wie Tabak, Tabletten und Alkohol, wird dabei allgemein unterschätzt. Wer als Jugendlicher dazugehören will, greift ganz selbstverständlich zur Flasche oder zum Glimmstängel. Der gelegentliche Rausch ist fast normal. Ein kontrollierter Konsum gelingt dabei den wenigsten Menschen. Mit etwa zwölf Jahren gibt es meistens bereist den ersten Kontakt mit der Zigarette. Beim Alkohol ist das Einstiegsalter bei etwa 13 Jahren anzusetzen. Das Probierverhalten gehört zum Jugendalter zwar dazu, doch die meisten Jugendlichen schließen ihre Experimente mit Suchtmitteln irgendwann ab. Bei anderen beginnt ein Teufelskreis. Häufig gehen Jahrzehnte ins Land, bis die körperlichen, psychischen oder sozialen Folgen der Sucht unübersehbar werden.
Reinhild Wantia / Suchthilfe Kreis Borken
Manch einer trinkt drei Gläser Wein am Tag und bleibt bis ins hohe Alter kerngesund. Einen anderen bringt bereits ein Glas in Lebensgefahr, weil er süchtig, vom Alkohohl abhängig werden kann. Die Festtagsschlägerei im Bierzelt, ein 1. Mai-Saufgelage, verprügelte Ehefrauen, misshandelte Kinder – unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen werden sonst oft ruhige, unauffällige, vielleicht sogar schüchterne Menschen zu wahren Bestien. Alkohol sorgt im Gehirn für angenehme Gefühle. Durch ihn werden verstärkt erregende oder beruhigende Botenstoffe ausgeschüttet. Bei chronischem Alkoholkonsum gerät das Gleichgewicht der Botenstoffe völlig durcheinander. Es kommt zu einer Überaktivität erregender Botenstoffe, die nur mit immer mehr Alkohol besänftigt werden kann. So entsteht der "Saufdruck". Doch während der eine nur gelegentlich zum Suchtmittel greift und ausfällig wird, verfallen andere dem Dauerrausch, verlieren gänzlich die Kontrolle über sich. Die legale Droge Alkohol kann schnell zur Sucht führen. In den vergangenen Jahren haben sich die Krankenhausaufnahmen von Jugendlichen mit Alkoholvergiftung bundesweit verdoppelt. Komatrinken gehört bei immer mehr Jugendlichen in Deutschland zum Alltag. Mehr als 23.000 Kinder wurden vergangenes Jahr teils bewusstlos betrunken ins Krankenhaus gebracht. Insgesamt trinken zwar weniger Jugendliche Alkohol, doch die Jugendlichen, die zur Flasche greifen, trinken früher, öfter und hochprozentiger. Gerade bei Jugendlichen führt der Missbrauch von Alkohol schneller zur Sucht als bei Erwachsenen. Übermäßiger Alkoholkonsum verursacht in Deutschland einen wirtschaftlichen Schaden von 20 Milliarden € pro Jahr. Dies schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Mit eingerechnet sind die Kosten von Folgekrankheiten, Arbeitsausfällen, Frühverrentung und Pflege.
Zigaretten fördern Sucht und Gefahr speziell bei Kindern. Im Tabakrauch gibt es etwa 4000 chemische Substanzen, viele von ihnen krebserregend. 600 Zusatzstoffe finden sich im Tabak. Einige dieser Stoffe kaschieren den strengen Geschmack, Glycerin hält den Tabak länger frisch, spezielle Salze sorgen dafür, dass die Zigarette durchgehend glimmt. Andere Stoffe fördern Studien zufolge aktiv die Entwicklung einer Sucht. Vanille, Schokolade, Kakao und verschiedene Aromastoffe dienen dazu, den Zigarettenrauch milder zu gestalten.
Immer mehr junge Leute nehmen auf Partys Drogen. Knapp die Hälfte der Jugendlichen aus der Techno-Szene habe nach einer Umfrage Erfahrungen mit synthetischen Drogen, erklärte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln. Wer regelmäßig die Partydroge Ecstasy nimmt, schädigt sein Alltags-Gedächtnis; selbst einfache Aufgaben wie Einkaufen werden zum Problem. Britische Psychologen aus Newcastle ließen Ecstasy-Konsumenten und Probanden, die noch nie die Droge genommen hatten, einkaufen gehen und beobachteten sie dabei: Die Ecstasy-Konsumenten vergaßen jeden vierten Artikel, den sie einkaufen sollten. Die Forscher vermuten, dass Ecstacy bestimmte Hirnregionen unmittelbar beeinflusst und Botenstoffe ausschaltet, die Informationen weiterleiten sollen.
Medikamente, Alkohol und Drogen können das Leben der Abhängigen so dominieren, dass alles andere untergeordnet wird: Freunde, Familie und vor allem die eigene Gesundheit. Obgleich der Zusammenhang zwischen Suchtmittel und Suchterkrankung offensichtlich ist, wird er von den Erkrankten nur sehr eingeschränkt wahrgenommen. Mit aller Energie und Phantasie wehren sie sich gegen die Wahrheit. Ihr Gehirn will sie nicht mehr begreifen. Es denkt nur noch an die Droge, wie sie zu beschaffen ist und in welcher Dosis sie einen Augenblick erlösender Ruhe beschert.
Suchvorbeugung geht uns alle an!
Buchtipps
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Journal of Neural Transmission, 107, 6 Special Issue
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A. Heinz A
Das dopaminerge Verstärkungssystem
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In: H. Hippius, H. Sass, H. Sauer (Hsg)
Monographien aus dem Gesamtgebiete der Psychiatrie
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K. Mann (Hsg.)
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A. Heinz, C. Denke, G. Ernst, H. Przuntek
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