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Einer geht noch - Komasaufen zu Karneval
Jugendschutz    08. Februar 2010- 22:16 h

Einer geht noch - Komasaufen zu Karneval

Pils, Alt und Appelkorn – Alkohol gehört offensichtlich zum Karneval wie Alaaf und Helau. Und jedes Jahr, gerade an Weiberfastnacht oder beim ersten

Karnevalsumzug, geht es wieder los. Grenzerfahrungen mit Alkohol sind für viele Jugendliche "cool". Sie schmücken sich mit ihren Heldentaten, trinken Wodkaflaschen in Rekordzeit leer, "exxen" Bier, Sekt und Hochprozentiges. Einige bezahlen dies allerdings mit ihrem Leben, so wie Maurice: Der 14-jährige Schüler aus Oppach wurde nach einem Besäufnis mitKumpels tot aufgefunden. Er starb im Alkohol-Koma. In den letzten acht Jahren haben sich die Klinikeinweisungen von Kindern und Jugendlichen mit Alkoholvergiftung deutschlandweit verdoppelt. Befragungen von Schülern neunter und zehnter Klassen 2009 ergaben, dass bis zum Alter von zwölf Jahren bereits die Hälfte der Befragten Erfahrungen mit Alkohol hatte. Mit 16 Jahren waren dies schon 98 Prozent der Jungen und 97 Prozent der Mädchen.



Am letzten Wochenende wurde bei einer Razzia in einer Brüggener Großraum-Discothek 50 betrunkene Jugendliche von der Polizei aufgegriffen. Sie hielten sich entgegen den Jugendschutzbestimmungen nach Mitternacht in der Disco auf. Die Jugendlichen wurden nach dem Einsatz den Eltern übergeben. An der mehrstündigen Jugendschutzaktion waren Beamte aus dem Kreis Viersen und Düsseldorf beteiligt.

Warum trinken die Jugendlichen?
Die Ursachenforschung steckt noch in den Kinderschuhen. Es fehlt an stichhaltigen wissenschaftlichen Erklärungen und wirkungsvollen politischen Maßnahmen. Sicher ist: Die Industrie trägt ihren Teil bei. Trinken heißt: cool sein, relaxt leben, Fun haben. Die Jugend ist die Käuferschicht der Zukunft. Speziell für sie "genießbare" alkoholische Getränke wurden auf den Markt gebracht. Die allseits beliebten Alcopops sind harte Spirituosen gemischt mit Limonade, und Biermixgetränke.

Die weißen Engelsflügel liegen in Münster bereit. Ebenso unzählige Buttons, Motiv-Karten und Bonbons. Über 30 Jugendliche aus der Oberstufe des Kardinal- von- Galen- Gymnasiums in Münster fiebern dem Rosenmontag entgegen. Als Schutzengel-Gruppe werden sie in Münsters Karnevalszug für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol werben - quasi als himmlische Boten der Präventionskampagne "Voll ist out", hinter der das städtische Amt für Kinder, Jugendliche und Familien steckt.

«Vollrausch…ohne mich!" im Kreis Borken
«Die Kampagne ruft nicht dazu auf, an den Karnevalstagen ganz ohne Alkohol zu feiern. Vielmehr möchten wir appellieren, mit Maß zu trinken und die Jugendschutzgesetze einzuhalten", so Reinhild Wantia vom Fachbereich Gesundheit des Kreises. Dabei erinnert Reinhild Wantia an die klaren Grenzen, die das Jugendschutzgesetz zieht. So dürfen alkoholische Getränke weder an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren abgegeben noch darf ihnen der Verzehr gestattet werden. Für branntweinhaltige Getränke, wie z. B. Wodka, gilt eine Altersbegrenzung von 18 Jahren. Auch ein Volljähriger, der in seiner Clique alkoholhaltige Getränke an Minderjährige weitergibt, macht sich strafbar.

Auch Städte im Ruhrgebiet gehen an den Karnevalstagen verstärkt gegen unkontrollierten Alkoholkonsum von Jugendlichen vor. Bereits vor den närrischen Tagen haben Jugendamt, Polizei und Ordnungsamt zahlreiche präventive Maßnahmen geplant. Unter dem Motto "Feiern statt reihern" will die Stadt Mülheim in dieser Woche Schüler für das Thema Suchtprävention sensibilisieren. Jugendliche sollen bei Lesungen, Filmen und Diskussionen über die Gefahren von Alkohol aufgeklärt werden. In Essen weisen Vertreter des Ordnungsamtes und der Polizei Trinkhallen- und Kioskbetreiber auf das Jugendschutzgesetz hin. Rosenmontag müssen Jugendliche überall mit verstärkten Alkoholkontrollen rechnen. In Gelsenkirchen betreuen Streetworker betrunkene Jugendliche auf den Polizeistationen und laden die Eltern zu Gesprächen ein. In der Essener Innenstadt wird eine Sammelstelle für betrunkene Jugendliche eingerichtet, die dort versorgt werden. [Bea]

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