Borken. Auf Initiative des Verlags Het Oerd und der Leselust e.V., die auch Mitveranstalter sind, liest Christof Wackernagel am 8. Mai 2012, 20.00 Uhr im Stadtmuseum Borken aus seinem jüngsten Werk «es». Wackernagel schildert in dem Werk Träume und Wahnbilder aus seiner Haftzeit.
Sie lassen sich nicht zuletzt lesen als eine Auseinandersetzung mit dem Verdrängten und Unbewussten seiner persönlichen Geschichte.
Der Schauspieler Christof Wackernagel war zwei Monate lang aktives Mitglied in der RAF. Nach einer Schießerei wurde er festgenommen und saß danach zehn Jahre lang, bis 1987, im Gefängnis. 1983 sagte sich Wackernagel gemeinsam mit seinem Freund Gert Schneider von der RAF los und betätigte sich während der Haft in der Justizvollzugsanstalt Bochum als Schriftsteller. Unter dem Titel "Nadja. Erzählungen und Fragmente" erschien 1984 sein erstes Buch, dem 1986 der Prosaband "Bilder einer Ausstellung" folgte. Im gleichen Jahr gelangte Wackernagel in der Anstalt "Meisenhof", Castrop-Rauxel, in den offenen Strafvollzug. Dies ermöglichte es ihm, ab August 1986 als Regie- und Dramaturgie-Assistent am Bochumer Schauspielhaus zu arbeiten. Der Dank gilt vor allem dem Einsatz des damaligen Intendaten Claus Peymann, der Wackernagel schon 1984 wieder auf die Bühne holen wollte.
Wackernagels Weg zurück zu einem "normalen" Leben geriet zum Politikum. Der damalige CDU-Fraktionsführer im NRW-Landtag, Bernhard Worms, forderte Ministerpräsident Rau sogar vehement auf, dem entgegenzutreten. Doch im November 1987 wurde Wackernagel unter Auflagen vorzeitig aus der Haft entlassen. Seither ist er verstärkt als Schauspieler und als Schriftsteller tätig. Regisseur Michael Verhoeven verpflichtete ihn für die Serie "Die schnelle Gerdi" mit Verhoevens Ehefrau Senta Berger in der Hauptrolle. Kleine Rollen in Serien wie "Der Fahnder", "Praxis Bülowbogen", "Der König von Bärenbach" und "Airport". Dem breiteren Publikum dürfte er jedoch insbesondere durch seine zahlreichen Auftritte in Fernseh-Krimiserien wie Kommissar Stolberg, der SOKO-Reihe oder dem Tatort ein Begriff sein.
Mit Borken verbindet den heute in Bamako (Mali) lebenden Wackernagel ein familiärer Bezug: Bei Recherchen zur Borkener Schriftstellerin Ilse von Stach, erfuhr der Inhaber des Verlags Het Oerd, Dr. Heiner Teroerde, dass es sich um eine Großmutter des Schauspielers und Autors handelt, den er bald darauf auch persönlich kennenlernte. Herrn Teroerdes Initiative ist es nun zu verdanken, dass Wackernagel, der sein Werk "es" u.a. auf der letzten Frankfurter Buchmesse sowie auf Einladung in der Bundeskunsthalle Bonn vorgestellt hat, gemeinsam mit seiner Schwester Sabine nun auch in Borken lesen wird.
Das begrenzte Platzangebot in der Druckwerkstatt der Borkener Stadtmuseums macht eine telefonische Anmeldung und Kartenreservierung erforderlich (Tel. 02861.939-0).
Hei