Borken. Sie war die «schlechteste Opernsängerin der Welt». Florence Foster Jenkins traf kaum einen Ton, aber ihr Herz gehörte der Musik und dem Gesang. Torsten Fischer hat dem hartnäckigen Möchtegern-Star mit seinem Stück «Souvenir» eine komödiantisch zündende Hommage verehrt.
In der Rolle der schrillen Nachtigall brilliert am Mittwochabend Désirée Nick und wurde nach der Aufführung in der Stadthalle Vennehof vom Publikum gefeiert.
Menschen die nicht singen können und es trotzdem tun sind Helden. Helden wie Florence Foster Jenkins. Von ihrer Geburt 1868 in Pennsylvania bis zu ihrem Tod 1944 in New York hat sie es nicht geschafft einen einzigen Ton zu treffen, was jedoch kein Hindernis für sie war fünf LPs gefüllt mit schiefem Gekrächze aufzunehmen. Sie nahm klassischer Musik die Eitelkeit und schenkte uns eine wunderschöne Missgeburt nicht-euklidischer Stimmlagen. Beliebt war die Exzentrikerin und wohlhabend genug, um sich einen Auftritt in der Carnegie Hall zu kaufen.
Am Mittwochabend wurde eine Art Vermächtnis der Heldin - der Outsider-Musik - der Königin der Nacht - in der Stadthalle Vennehof aufgeführt. Grandios verkörpert von Désirée Nick. Sie kann singen. Und zwar nicht nur falsch. Wie sie sich durch die großen Partien der Opernliteratur durchwurschtelt zeigt nicht nur, wie sehr sie das Repertoire beherrscht. Es zeigt auch einen eigenwilligen Gestaltungsrahmen, der Tempi.
"Meinen Sie nicht, man kann Genauigkeit auch übertreiben?", fragt sie ihren Pianisten Cosme McMoon (Christian Schobesberger).
Für Désirée Nick scheint diese Rolle wie maßgeschneidert. Es erschrecken alle bei den ersten falschen Tönen, denn Nick mimt hinreißend die exzentrische Grande Dame in den hohen Lagen so grauenvoll, dass den Zuhörern das Blut in den Adern gefriert. Jeder Mensch, der sowas Nachts im Garten hört, würde sofort die Polizei rufen. Warum tut sich also jemand sowas an und bezahlt auch noch Geld dafür? Ganz einfach, die Nick hat einen eigentümlichem Charme, kann im wirlichen Leben singen, hat einen unerschütterliches Selbstbewusstsein und ihrer Stimme kann sich einfach niemand entziehen. Die Trash-Queen im Engelskostüm zum Höhe- und gleichzeitigen Tiefpunkt ihrer Karriere angelangt, treibt einem die Gänsehaut bis in die Haarspitzen. Sie spielt die Jenkins respekt- als auch liebevoll. Das Publikum hat Désirée Nick einfach geliebt.
Lang anhaltender Applaus in der Stadthalle. Ein wunderbarer, schriller Theaterabend.
Tho