Kuvitüre in Borken. Fastfood lässt bei mir immer das Gefühl für die Menge der aufgenommenen Nahrung verlieren. Dabei habe ich mitunter das Gefühl, trotz ihrer energiereichen Nahrung nicht ausreichend gegessen zu haben. Warum? Und warum habe ich danach ein schlechtes Gewissen?
[Foto: Wikimedia]
Was muss ich fressen um im Gesicht, wie ein Schinken auszusehen?, Hagen Rether
Später Samstagabend - gerade noch ein Konzert in der Stadthalle fotografiert. Hunger! Mit einer Tüte komme ich aus eine Fastfoot-Filiale neben dem Nochbahnhof. Beute erlegt, keiner schaut doof, keinen interessierts und die Dinger kommen ja sowieso gleich in meinen Bauch. Schlechtes Gewissen inklusive.
Die Informationen auf den Packungen sind echt dürftig, irreführend und so kompliziert, dass ich die nicht wirklich verstehe. Kein Wunder, denn die Wahrheit über meine gerade erlegte "Menuetüte" ist ernüchternd. Ich sitze, es ist 23:00 Uhr, vor zwei Cheeseburgern, einem Chickenburger, einer mittleren Portion Pommes, einer Portion Mayo und befrage das Internet und eine Newsagentur zu meinem Nacht-Menue.
1857 Kalorien liegen da also vor mir rum, bei einem täglichen Bedarf von etwa 3000 Kalorien, deckt der kleine Fastfood-Snack bereits 62 % meines Tagesbedarfs. Leider ist meine Mahlzeiten nicht nur kalorienreich, sondern auch ballaststoffarm und zuckerreich. Jetzt weiß ich auch, warum nach einem Fastfoot-Restaurant-Besuch mein Sättigungsgefühl schnell wieder verfliegt und dem Heißhunger Platz macht.
Zurück im Internet, bin ich auch auf einen Beitrag des ZDF-Magazins "Frontal21" gestoßen. Nicole Wiesler, ehemalige Mitarbeiterin im Management des Fastfoot-Imperiums die einen Betriebsrat gründen wollte und gekündigt wurde, sagte in dem Beitrag, dass der Restaurantboden oft nur mit heißem Wasser gesäubert wird. Auch habe sie erlebt, dass Mitarbeiter nur mit einem Straßenbesen geschrubbt haben - ohne Reinigungsmittel.
"Da war ja auch kaum Zeit um sauber zu machen, das Kassenpesonal muß ja auch die Toiletten putzen. Oft waren keine Handschuhe vorrätig. Das Klo wurde dann mit Papiertaschentüchern sauber gemacht - dann schnell - ohne Händewaschen zurück an die Theke, um Pommes einzutüten. Die schlimmste Sache ist natürlich die 'Burgerspuckerei'. Immer wieder habe ich Mitarbeiter erwischt, die in den Burger gespuckt haben. Das war meistens aus Frust...", erzählt ein ehemaliger Mitarbeiter in diesem Beitrag.
"Hier arbeitet man mit zwei Lappen, der eine für die Tischplatte, der andere für die Aschenbecher. In der gebotenen Eile kommt es aber häufig vor, daß man die Tischlappen nicht mehr auseinanderhalten kann. Doch das stört hier niemanden; denn häufig muß man mit demselben Lappen auch noch die Klos putzen. Der Nahrungskreislauf schließt sich damit wieder. Mir graust'....'"In der Küche ist zuweilen Rotze auf dem Grill" und "Aschenbecher und Tische werden mit demselben Lappen geputzt wie Toilettenbrillen" , Günter Wallraff in seinem Buch 'Ganz unten'.
Jetzt geht mir ein Satz durch den Kopf, den der Kabarettist Hagen Rether bei der Verleihung des Nordrhein- Westfälischen-Kleinkunstpreises «Bocholter Pepperoni" 2011 sagte: »Was muss ich fressen um im Gesicht, wie ein Schinken auszusehen?"
Ich frage mich: Wie muss ich drauf sein, um das Zeugs jetzt noch zu essen?
Koch-Shows und Erlebnisrestaurants boomen wie noch nie. Es vergeht kein Tag ohne lecker Wettkochen im Fernsehen. Warum sitze ich also mitten in der Nacht vor kaltem, unschönen 1857 Kalorien-Fastfoot, das von Mitabeitern gekocht wurden, deren Gehälter etwa Hartz-IV-Niveau haben?
"Wenn Sie aus dem Gespräch entnehmen können, dass der Bewerber organisiert ist, das Gespräch nach weiteren Fragen abbrechen und dem Bewerber eine Entscheidung in einigen Tagen zusagen. Natürlich auf keinen Fall einstellen.", Manager der Fastfoot-Kette.
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