Borken. Der in Borken geborene Künstler Roland Stratmann zeigt unter dem Titel «Die Linie falten» Zeichnungen im Borkener Stadtmuseum. In seiner Ausstellung, die noch bis 5. Februar 2012 zu sehen ist, setzt sich Stratmann vor allem mit künstlerischen Fragestellungen zur Linie auseinander, ihrer konturierenden, ein- und ausgrenzenden und beschreibenden Funktion.
Daraus resultieren beispielsweise so genannte "Endloszeichnungen", die unter hoher Konzentration aus einer einzigen, ununterbrochenen Linie entstehen.
R. schreibt fremde Briefe, könnte man meinen,* wenn man sich in die Zeichnungen von Roland Stratmann vertieft. Ganz wie bei dieser etwas aus der Mode gekommenen Form persönlicher, erzählender Mitteilung üblich, beschränkt sich Stratmann auf die schlichten, aber grundlegenden Mittel schriftlichen Erzählens, auf Stift und Papier, auf die geschriebene bzw. gezeichnete Linie.
Wie das Schreiben kann auch das Zeichnen als grundlegende Kulturtechnik gelten, und so, wie Autoren literarisch anspruchsvoller Briefe in vergangenen Jahrhunderten formbewusst waren, verordnet sich Stratmann einen besonderen formalen Rahmen, der auf den ersten Blick streng wirkt.Endloszeichnungen verlangt er sich ab und entwickelt seine Zeichnungen in einem konzentrierten Arbeitsprozess aus einer einzigen Linie, ohne den Zeichenstift abzusetzen und den Zeichenprozess zu unterbrechen.
Was zunächst einengend, gar artifiziell erscheint, liefert den methodischen Schlüssel zu vielgestaltigem und vielschichtigem Erzählen. Ähnlich der literarischen Erzählform des Bewusstseinsstroms, der ungefilterten Artikulation von assoziativen Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühlen und Reflexionen, gibt Stratmann einem solchen Prozess mit zeichnerischen Mitteln Ausdruck. Er setzt widersprüchliche Figuren, Schauplätze, Bildperspektiven und Zeitebenen neben- und hintereinander, kombiniert gegenständliche, ornamentale und abstrakte Motive, flächige und plastisch wirkende Elemente und webt mit dem bloßen Zeichenstift komplexe Bildnisse, die zum Erkunden und Entschlüsseln einladen.
Eine besondere zeichnerische Kunst des Fabulierens bietet er, eine Kunst, die man sonst eher aus der phantastischen Literatur kennt. Und das aufmerksame Sehen, Betrachten und Nachsinnen fördert er in einer Zeit medial omnipräsenter Bildinformationen, die oftmals suggestiv und manipulativ eingesetzt werden und zu allzu oberflächlicher Rezeption verleiten.
Unter dem paradoxen Titel "Die Linie falten" präsentiert Roland Stratmann eine prägnante Auswahl seiner zwischen 2004 und 2010 entstandenen zeichnerischen Serien. Vom 28. Februar bis 14. April 2012 wird die Ausstellung auch von der Galerie Laurent Mueller in Paris gezeigt, der wir für die Kooperation herzlich danken. Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog.
Roland Stratmann
Roland Stratmann, geboren 1964 in Borken-Weseke, lebt und arbeitet in Berlin. Er beendete Das Studium an der Universität der Künste Berlin 1990 als Meisterschüler. Im Jahr 2000 lebte e, ausgestattet mit einem Auslandstipendium des Berliner Senats für Wissenschaft, Forschung und Kultur, in Istanbul. 2006 wurde Stratmann mit dem Tempelhof-Schöneberger Kunstpreis ausgezeichnet. Seine Lichtinstallation "Neuköllner Tor" in Berlin wurde 2009 im Rahmen des Bundeswettbewerbs Stadt bauen.Stadt leben. Nationaler Preis für integrierte Stadtentwicklung und Baukultur mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.
Roland Stratmann "Die Linie Falten" Zeichnungen
Bis 05. Februar 2012
Stadtmuseum Borken
- kultureller Ort
Marktpassage 6
46325 Borken
Öffnungszeiten:
Dienstag - Samstag 15.00 - 18.00 Uhr
Sonntag 10.30 - 17.30 Uhr
Montags geschlossen
Telefon während der Öffnungszeiten: 02861 / 939-242
PD