Theater. Gerd Silberbauer begeistert als Nazi-Opfer in Stefan Zweigs «Schachnovelle» in der Stadthalle Vennehof. Mit Superlativen soll man bekanntlich vorsichtig sein. Dieser Dienstagabend aber ließ kein Zuschauer emotional unberührt: Schauspielerische Leistung auf hohem Niveau, ein tolles Bühnenbild und phantastische Lichtstimmungen, wie sie Borken noch nicht erleben durfte.
"Wer das 'Ding' nicht erlebt hat, hat eines der besten Aufführungen der letzten Jahre in Borken verpasst", resümiert Renate Neumann aus Bocholt, die regelmäßig zu Theaterbesuchen nach Borken reist. Auch Zehntklässler der Montessori Gesamtschule zeigten sich begeistert von der Aufführung. Die lang anhaltenden und erschütternden Monologe Silberbauers hauten einfach jeden Besucher um.
In der "Schachnovelle" schildert Zweig in einer Rahmenhandlung das Duell zweier meisterhafter Schachspieler. Im Weiteren erführ der Zuschauer das Schicksal eines der Spieler, gespielt von Gerd Silberbauer. Er hat sich das Spiel selbst beigebracht, als er während des Dritten Reichs in der Gefangenschaft der Gestapo saß. Die zermürbende Einzelhaft hat er nur überstanden, weil er 150 Partien aus einem Schachbuch auswendig gelernt hat. Nachdem er alle Partien beherrschte, hat er begonnen, im Geiste gegen sich selbst zu spielen. Das hat seine Nerven allerdings derart angegriffen, dass er in den Wahnsinn abdrifftet und aus diesem Grund aus der Haft entlassen wird.
Der Regisseur Frank Matthus und sein Ausstatter Karel Spanhak begegnen der beklemmenden Handlung mit heiter distanzierter Ironie und visuellem Reichtum. Unter der wirkungsvollen Nutzung der Bühnentechnik entsteht ein pahantastisches, kurzweiliges Theater im Theater mit viel Dramaturgie, Humor und Effekten. Großartige Massenszenen mit wunderbar wandlungsfähigen Schauspielern und kurzatmige Wechsel mit kammerspielartigen Szenen, in denen das Ensemble mit profunden Darstellern Profil zeigt. Der großartige Gerd Silberbauer ließ dem Zuschauer keine Luft zum Atmen. Er schildert das Schachspiel in all seinen faszinierenden Aspekten, als Spiel, das die geistigen Kräfte völlig beansprucht und in dem es darum geht, Macht über den Gegner zu gewinnen. Mit der "Schachnovelle" holte die Kulturgemeinde zum Abschluss der diesjährigen Theaterreihe ein Meisterwerk nach Borken. Standing Ovations und lang anhaltender Beifall für ein brillantes Theaterstück. Phantastisch!
Tho