Grund der inneren Unruhe ist ein Skandal um ihren Mann (Andreas Patton), der angeblich pädophile Fotos sammelt. Seine Schuld ist unbewiesen, doch er ist als Sexualstraftäter registriert und arbeitslos. Harper Regan (Marion Kracht) ist 41 Jahre, aber sie fühlt sich schon alt - sieht jedoch verdammt lecker aus und muß etwas unternehmen, um wieder Frau zu sein.
Harper lebt mit ihrer Familie am Rand des Flughafens Heathrow, aber sie ist noch nie Langstrecke geflogen. Und sie hat viele Arbeitswochen ohne einen freien Tag hinter sich. Ihrem Mann hat sie nichts mehr zu sagen, vor ihrer Tochter fürchtet sie sich. Aber sie hat sich in diesem Leben eingerichtet. Dann erfährt sie, dass ihr Vater im Sterben liegt. Plötzlich steht sie am Scheideweg ihres Lebens, verlässt in einer Nachtund Nebelaktion Mann und Kind, um zu ihrem Vater zu reisen. Doch sie kommt zu spät: Wenige Stunden zuvor ist er gestorben. Nun steht sie vor den Trümmern ihrer Existenz. Den Job hat sie verloren, die Familie verlassen. In Harper keimt die Sehnsucht auf, das Leben noch einmal in all seinen Facetten und Abgründen zu spüren. Frei wie ein Vogel, noch niemals eine Lederjacke getragen, strudelt sie, gefangen im eigenen Käfig von Selbstzweifeln. Ängsten und Begierden, durch die darauffolgenden Tage, um dann – am Ende ihrer Reise – zuhause zu stranden.
Gedankenverloren geht sie in ein Lokal, klaut einem Gast die Lederjacke, schläft anschließend mit einem wildfremden Mann und streitet sich anschließend mit ihrer Mutter. Sie krümmt sich, taumelt, fasst sich wieder und baut blitzschnell um sich eine Mauer aus Häme und Aggression. Sie schreit nicht und bewahrt Fassung, sie zeigt sich erotisch - in hochhackigen Schuhen und möchte von einem Typen gevögelt werden.
Harte Kost für Borken. Wem es trotzdem gelang, sich auf die kleinen Gesellschaftsprobleme in "Harper Regan" einzulassen, auf Details zu achten hat eine feinsinnige, beziehungsreiche Inszenierung der Regisseurin Sabine Mitterecker erlebt. Marion Kracht, bekannt aus TV-Produktionen wie "Die Drombuschs", in der Rolle der Harper Regan zeigt schonungs- und schnörkellos was Frau bewegen kann.
Moral, Angst und Schuld - eine (Frauen)quote: Frau geht es gut - dem Mann nicht - Harper Regan!
Bea