Schon unmittelbar nach ihrem Machtantritt im Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten, ihre politischen Gegner im Deutschen Reich zu verfolgen. Zugleich betrieben sie die schrittweise Diskriminierung und Entrechtung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger. Sozialdemokraten und Kommunisten, Schriftsteller und Pazifisten und immer mehr jüdische Familien, insbesondere aus dem westlichen Münsterland, sichten zwischen 1933 und 1940 Zuflucht in den Niederlanden.
Aus niederländischer Sicht waren sie "Grenzfälle" im buchstäblichen wie übertragenen Sinn. In welchem Umfang sollte man welchen deutschen Flüchtlingen Asyl gewähren?

Ausstellung: Grensgevallen - Grenzfälle im Stadtmuseum Borken
Foto: Neutzler 
Einerseits fühlte man sich seinen demokratischen und humanitären Traditionen verpflichtet, andererseits hielt die schwere Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre das Land besonders lange im Griff. Und schließlich wollte man seinen außenpolitischen Neutralitätskurs wahren und das immer aggressiver werdende Hitler-Deutschland nicht ohne Not herausfordern. Unter diesen Bedingungen wurde die niederländische Flüchtlingspolitik – wie die der meisten europäischen Länder – trotz mancher innenpolitischer Kritik immer restriktiver. Dies wirkte sich auch in der Grenzregion Achterhoek aus, die viele deutsche Flüchtlinge als Zufluchtsort bzw. Transitstation ansteuerten.
Das Museum Markt 12 in der Gemeinde Aalten/NL hat in der zweisprachigen Ausstellung "Grensgevallen – Grenzfälle" an Fallbeispielen sichtbar gemacht, dass das Flucht- und Aufnahmegeschehen mit vielen Geschichten einzelner Menschen verknüpft ist, die ihre Handlungsspielräume unterschiedlich nutzten – sei es als Asylsuchender, als Mitglied niederländischer Hilfsgruppen oder als Vertreter staatlicher Autorität.
In vier Zeitschnitten mit den Stichworten Anfang (Reichstagsbrand 1933), Atempause (Olympische Spiele 1936), Verschärfung (Annexion Österreichs im März 1938) und Endphase (Novemberpogrome 1938) präsentiert die Ausstellung in Filmausschnitten zunächst stichwortartig die allgemeinen Zusammenhänge.
Zwölf persönliche Geschichten – von je je vier Flüchtlingen, Flüchtlingshelfern und Entscheidungsträgern – machen das Handeln einzelner Menschen zwischen Angst und Mut, Anpassung und Rückgrat, Obrigkeitstreue und Mitmenschlichkeit erfahrbar.
Sonderveranstaltungen zu dieser Ausstellung:
INFORMATIONSABEND FÜR LEHRER
Do., 09.09.10 │ 18.00 – ca. 20.00 h
"Leiden als Warnung?"
Pädagogische Programme zu NS-Herrschaft und deutscher Besatzung
Museum Markt 12, Aalten/NL
Stichting Vrienden van Kolle Kaal, Winterswijk/NL
LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster
Geschichtsort Villa ten Hompel, Münster
Henk Krosenbrink
VORTRAG
Mi., 15.09.10 │ 19.30 h
Dr. Volker Jakob (LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster)
Unter deutscher Besatzung. Aalten, eine niederländische Grenzstadt 1940-1945
In Kooperation mit der Volkshochschule Borken und dem Heimatverein Borken e. V.
Eintritt: 4,00 €
VORTRAG
Mi., 06.10.10 │ 19.30 h
Drs. Anne Avenarius (Münster):
Erinnerung im Wandel. Der niederländische Umgang mit Besatzungsherrschaft und Krieg seit 1945.
In Kooperation mit der Volkshochschule Borken und dem Heimatverein Borken e. V.
Eintritt: 4,00 €
Öffnungszeiten Stadtmuseum Borken:
Dienstag - Samstag 15.00 - 18.00 Uhr
Sonntag 10.30 - 17.30 Uhr
Montags geschlossen
Telefon während der Öffnungszeiten: 02861 / 939-242
Stadtmuseum Borken
Marktpassage 6
46325 Borken
PD